Auf dem Totenfeld meines Laptops spricht die geheimnisvolle, in Schwarz gehüllte Geisterseele zu mir: Jeder ist ein Küntsler.
Nach diesem eklatanten Rechtschreibfehler fährt sie fort mit einem Schwank aus ihrer Jugend. Es ist das Übliche: Nach der Schule orientierungslos gewesen. Von den Eltern in eine ungeliebte Ausbildung hineingepreßt. Dabei geblieben, obwohl es keinen Spaß macht. Dann, so mit Mitte zwanzig, auch einmal verliebt gewesen, was sich aber nicht ausgezahlt hat.
Sowieso, und da gerät die spukige Erscheinung ein bißchen ins Schwafeln, davon überzeugt sein, daß neunzig Prozent der landläufigen Erotik nicht einer natürlichen Bestimmung und wirklichen Hingabe entspringen, sondern mehr aus reiner Langeweile heraus entstehen, der Entlastung von Anspannung und dergleichen mehr dienen und zum Zwecke der Selbstbestätigung, Abwechslung und des Entertainments abgehalten werden, aber eben nicht der wahren Liebe dienen. Das Dasein, so scheint es ihr, ist eine sittliche Aufgabe. O-Ton: Ihr wollt ficken, ich will erziehen. Zur Liebe, zur reinen Liebe, dort schreitet wohl alles hin.
Anschließend wurde es gar noch philosophischer: Nur die Tiere gehen nachts einkaufen, denn der große Supermarkt der Natur ist rund um die Uhr geöffnet. Für Mäuse, Füchse und Biber gibt es kein Ladenschlußgesetz. Und was sollte es etwa das Wasser kümmern, zu wissen, daß es doch nur H2O ist, solange es noch immer munter zu springen, klingen und rauschen vermag? Was weiß der einzelne Mensch von Gott? Vom Jenseits? Was will er überhaupt wissen? Gedanken zerfließen, Dinge und Namen sind verloren und werden doch errettet. Vom Leben nicht mehr verlangen als das Butterbrot. Glücklich sein. Ein frommer Wunsch und doch möglich.
Trotzig schob das Skelett auf meinem Bildschirm das Kinn vor und verkündete: Ich liebe ein Mädchen, das auf mich scheißt. Aber das macht mir nichts aus. Ankackspielchen mochte ich schon immer. Seit 1876 ist sie nun schon meine große heimliche Liebe. Gesagt habe ich es ihr nie. Jetzt ist sie längst schon tot, doch noch immer wandere ich nachts mit dem Sturm hinauf zu ihrem Grabhügel. Einst zog ich herum wie der wilde Wind. Jetzt aber ergebe ich mich.
Sonntag, 28. Oktober 2007
Samstag, 20. Oktober 2007
Ein Kinderspiel in drei Aufzügen und einer Rolltreppe
Hallöchen. Na? Alles fit im Schritt? Und selbst? Och jo, muß ja.
Ich bin der große Eskalator. Ich nehme alle Einzelteile und füge sie zu einem sinnlosen Ganzen zusammen. In einem früheren Leben war ich Generalsekretär einer großen Volkspartei.
Ich bin eine von diesen Marken, die mit der Jacke in der Hand in deinem Flur rumstehen und sagen: Wo kann ich mich denn hier mal aufhängen? Auch immer gern genommen: Zum Bleistift. Und wenn ich gehe, flöte ich gutgelaunt: Tschüssikowski.
Na? Bin ich nicht total crazy? Das alles ist ohne Alkohol eigentlich kaum zu ertragen. Darum saufe ich immer fünf Liter, weil ich bin ein Spritter und werde dadurch immer nur noch fitter. Täglich eine gute Tat. Erst gestern brachte ich das Leergut weg. Dabei kam mir plötzlich eine schöne Kindheitserinnerung in den Sinn, die ich mir gerade eben selbst ausgedacht hatte.
Ich mache mir die Worte wiedewiedewiese mir gefallen. Furchtbar fruchtbar lief und fiel die Petra und ihr Petersil. Das geht mit Sprache deutlich leichter als mit Ölfarbe. Schließlich ist Van Gogh so furchtbar schlecht reproduzierbar. Man kann sich nämlich, müssen Sie wissen, nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden. Aber manchmal, klar, da geht das schon.
Und während man dann so vor sich hinblutet und nach dem nächsten Spital sucht, klingeln einem plötzlich in den eineinhalb verbliebenen Ohren schwer unsubtile Werbebotschaften. Wie etwa diese hier: Fahr und spar mit City Spar. Oder wie wäre es damit: Die Salzburger Trachtenstube freut sich auf Ihren Besuch.
Apropos ungebetene Produktbepreisung: Eine schöne Uhr zeugt von Klasse, verhieß mir erst heute morgen wieder eine Nachricht in meinem Spamordner. Klasse, die ich nie hatte, fügte ich in Gedanken wie automatisch hinzu.
Ansonsten ist mit meinem Weltbild aber alles in bester Ordnung. Ich bin ein sehr freundlicher Typ und würde, aus reiner Nächstenliebe, versteht sich, noch nicht einmal Margot Käßmann von der ökumenischen Bettkante schubsen.
Was ich im übrigen noch sagen wollte: Jacques Chirac besaß keinerlei Manieren. Man serviert einer Dame unter freiem Himmel einfach keinen Handkuß, das gehört sich nicht. Und wenn ich Dame sage, dann gilt das sogar für so jemanden wie Angela Merkel. In der Hinsicht ist der Freiherr von Knigge echt erbarmungslos.
Und jetzt kommt das, was Sie sicher schon geahnt haben, nämlich: Tschüssikowski.
Ich bin der große Eskalator. Ich nehme alle Einzelteile und füge sie zu einem sinnlosen Ganzen zusammen. In einem früheren Leben war ich Generalsekretär einer großen Volkspartei.
Ich bin eine von diesen Marken, die mit der Jacke in der Hand in deinem Flur rumstehen und sagen: Wo kann ich mich denn hier mal aufhängen? Auch immer gern genommen: Zum Bleistift. Und wenn ich gehe, flöte ich gutgelaunt: Tschüssikowski.
Na? Bin ich nicht total crazy? Das alles ist ohne Alkohol eigentlich kaum zu ertragen. Darum saufe ich immer fünf Liter, weil ich bin ein Spritter und werde dadurch immer nur noch fitter. Täglich eine gute Tat. Erst gestern brachte ich das Leergut weg. Dabei kam mir plötzlich eine schöne Kindheitserinnerung in den Sinn, die ich mir gerade eben selbst ausgedacht hatte.
Ich mache mir die Worte wiedewiedewiese mir gefallen. Furchtbar fruchtbar lief und fiel die Petra und ihr Petersil. Das geht mit Sprache deutlich leichter als mit Ölfarbe. Schließlich ist Van Gogh so furchtbar schlecht reproduzierbar. Man kann sich nämlich, müssen Sie wissen, nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden. Aber manchmal, klar, da geht das schon.
Und während man dann so vor sich hinblutet und nach dem nächsten Spital sucht, klingeln einem plötzlich in den eineinhalb verbliebenen Ohren schwer unsubtile Werbebotschaften. Wie etwa diese hier: Fahr und spar mit City Spar. Oder wie wäre es damit: Die Salzburger Trachtenstube freut sich auf Ihren Besuch.
Apropos ungebetene Produktbepreisung: Eine schöne Uhr zeugt von Klasse, verhieß mir erst heute morgen wieder eine Nachricht in meinem Spamordner. Klasse, die ich nie hatte, fügte ich in Gedanken wie automatisch hinzu.
Ansonsten ist mit meinem Weltbild aber alles in bester Ordnung. Ich bin ein sehr freundlicher Typ und würde, aus reiner Nächstenliebe, versteht sich, noch nicht einmal Margot Käßmann von der ökumenischen Bettkante schubsen.
Was ich im übrigen noch sagen wollte: Jacques Chirac besaß keinerlei Manieren. Man serviert einer Dame unter freiem Himmel einfach keinen Handkuß, das gehört sich nicht. Und wenn ich Dame sage, dann gilt das sogar für so jemanden wie Angela Merkel. In der Hinsicht ist der Freiherr von Knigge echt erbarmungslos.
Und jetzt kommt das, was Sie sicher schon geahnt haben, nämlich: Tschüssikowski.
Samstag, 13. Oktober 2007
Quotenkasper
Jedes Fernsehgerät ein Abgrund, es schaudert einen, wenn man hineinblickt.
Kerner, substanzlose, selbstzufriedene Feel-Good-Qualle, zappelt sich völlig merkbefreit durch hirntote Werbeveranstaltungen für Prominente und solche, die sich dafür halten. Er gibt den Saubermann und glaubt sogar selbst an sein Image. Spätestens, seitdem er am Tag des Schulmassakers von Erfurt ein verstörtes Kind vor die Kameras zerrte und mit seinen aufdringlichen Fragen quälte, sollte dieser indiskutable Intelligenzgnom als Mediengestalt eigentlich ein und für allemal erledigt sein – war er aber nicht, im Gegenteil, die Quote stimmte, und so findet er sich selbst weiterhin unheimlich toll und kriegt wohl auch zukünftig immer schön sein Studio voll.
Am Dienstag führte man dann im Namen der Selbstgerechtigkeit die, nun ja, verstiegene Eva Herman zur Schlachtbank. Sie sollte sich bitteschön für irgendwelche Aussagen und Vergleiche entschuldigen. Tat sie aber nicht. War nämlich auf Krawall gebürstet. Kann ja nicht jede Verona Pooth heißen und auf Kommando losheulen.
Kerner, diese menschgewordene Konsensblase, wollte so viel Widerstand nun echt nicht dulden und verwies die Herman, unter großem Hallo der versammelten selbsternannten Gutmenschen, des Studios.
Wieder einmal wurde deutlich: Die männliche Weichspülvariante von Alice Schwarzer mit Gemächt ist der denkbar schlechteste Talkmaster, da er keinerlei andere Meinung als seine eigene gelten läßt.
Der medienwirksam inszenierte Eklat um Frau Herman, die nicht bereit war, zu Kreuze zu kriechen, ist symptomatisch für das Unvermögen zum öffentlichen Streit, zum Diskurs und zur Diskussion, wenn es um das deutsche Tabu geht.
Daß so ein fahrradfahrender Schmunzelaugust wie der Kerner noch nie etwas von Voltaire gehört hat, dürfte dabei sowieso klar sein. Der hat mal vor langer Zeit gesagt: Mir ist Ihre Meinung widerlich; dennoch werde ich mich totschlagen lassen dafür, dass Sie sie äußern dürfen. Da Voltaire aber keine eigene Kochsendung hat, ist er in 2007 für die Medien auch kein Thema mehr.
Hat man sich das Kernersche Kasperletheater gespart, bestand immer noch die Möglichkeit, sich zeitgleich in die Rederunde von Frau Maischberger einzuklinken. Die gilt gegenwärtig als eine der Topmoderatorinnen in der deutschen Fernsehlandschaft – und keiner weiß, warum.
Thema: Gewalt in der Ehe – warum wird aus Liebe Haß? Sandra M.s Busenfreundin Alice S. hatte wohl leider keine Zeit, so mußte dafür eben Anita Heiliger einspringen. Macht auch nichts. Die vorgestanzten Antworten konnte man sich sowieso schon im Vorfeld denken: Alle Männer sind von Natur aus gewalttätig und brutal und schlagen bzw. vergewaltigen ihre Frauen dreimal täglich.
Männer sind Täter, Frauen Opfer – so einfach ist die Welt, wenn man sie sich macht, widiwidewie sie einem gefällt.
Die Realität sieht leider anders aus: Schlagende Frauen sind nicht dem Buch der deutschen Hausmärchen und Volkssagen entsprungen. Sie sind existent, leben mitten unter uns und mißhandeln ihre erwachsenen männlichen Partner.
Zahlreiche internationale Studien belegen glaubhaft, daß Gewalt in der Partnerschaft zu gleichen Teilen von Männern wie von Frauen ausgeht. Die allgemein, wohl auch von Herrn Kerner, übernommene feministische Weltformel: Mann = Täter, Frau = Opfer hat sich als falsch herausgestellt. (Daß Frauen in der Gewalt gegen Kinder und ältere Menschen sogar „führend“ sind – geschenkt.)
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat erst vor zwei, drei Jahren eine Pilotstudie zum Thema Gewalt gegen Männer in Deutschland in Auftrag gegeben. Der Abschlußbericht umfasst 1050 Seiten und ist jedem Bundesbürger frei zugänglich. Von Fernsehjournalisten kann man natürlich nicht verlangen, so etwas zu kennen. Wo kämen wir da denn auch hin?
Was bleibt (außer verdummten Zuschauern): Die übliche Desinformation durch Ausklammern ergänzender Fakten.
Was lief eigentlich im Dritten?
Kerner, substanzlose, selbstzufriedene Feel-Good-Qualle, zappelt sich völlig merkbefreit durch hirntote Werbeveranstaltungen für Prominente und solche, die sich dafür halten. Er gibt den Saubermann und glaubt sogar selbst an sein Image. Spätestens, seitdem er am Tag des Schulmassakers von Erfurt ein verstörtes Kind vor die Kameras zerrte und mit seinen aufdringlichen Fragen quälte, sollte dieser indiskutable Intelligenzgnom als Mediengestalt eigentlich ein und für allemal erledigt sein – war er aber nicht, im Gegenteil, die Quote stimmte, und so findet er sich selbst weiterhin unheimlich toll und kriegt wohl auch zukünftig immer schön sein Studio voll.
Am Dienstag führte man dann im Namen der Selbstgerechtigkeit die, nun ja, verstiegene Eva Herman zur Schlachtbank. Sie sollte sich bitteschön für irgendwelche Aussagen und Vergleiche entschuldigen. Tat sie aber nicht. War nämlich auf Krawall gebürstet. Kann ja nicht jede Verona Pooth heißen und auf Kommando losheulen.
Kerner, diese menschgewordene Konsensblase, wollte so viel Widerstand nun echt nicht dulden und verwies die Herman, unter großem Hallo der versammelten selbsternannten Gutmenschen, des Studios.
Wieder einmal wurde deutlich: Die männliche Weichspülvariante von Alice Schwarzer mit Gemächt ist der denkbar schlechteste Talkmaster, da er keinerlei andere Meinung als seine eigene gelten läßt.
Der medienwirksam inszenierte Eklat um Frau Herman, die nicht bereit war, zu Kreuze zu kriechen, ist symptomatisch für das Unvermögen zum öffentlichen Streit, zum Diskurs und zur Diskussion, wenn es um das deutsche Tabu geht.
Daß so ein fahrradfahrender Schmunzelaugust wie der Kerner noch nie etwas von Voltaire gehört hat, dürfte dabei sowieso klar sein. Der hat mal vor langer Zeit gesagt: Mir ist Ihre Meinung widerlich; dennoch werde ich mich totschlagen lassen dafür, dass Sie sie äußern dürfen. Da Voltaire aber keine eigene Kochsendung hat, ist er in 2007 für die Medien auch kein Thema mehr.
Hat man sich das Kernersche Kasperletheater gespart, bestand immer noch die Möglichkeit, sich zeitgleich in die Rederunde von Frau Maischberger einzuklinken. Die gilt gegenwärtig als eine der Topmoderatorinnen in der deutschen Fernsehlandschaft – und keiner weiß, warum.
Thema: Gewalt in der Ehe – warum wird aus Liebe Haß? Sandra M.s Busenfreundin Alice S. hatte wohl leider keine Zeit, so mußte dafür eben Anita Heiliger einspringen. Macht auch nichts. Die vorgestanzten Antworten konnte man sich sowieso schon im Vorfeld denken: Alle Männer sind von Natur aus gewalttätig und brutal und schlagen bzw. vergewaltigen ihre Frauen dreimal täglich.
Männer sind Täter, Frauen Opfer – so einfach ist die Welt, wenn man sie sich macht, widiwidewie sie einem gefällt.
Die Realität sieht leider anders aus: Schlagende Frauen sind nicht dem Buch der deutschen Hausmärchen und Volkssagen entsprungen. Sie sind existent, leben mitten unter uns und mißhandeln ihre erwachsenen männlichen Partner.
Zahlreiche internationale Studien belegen glaubhaft, daß Gewalt in der Partnerschaft zu gleichen Teilen von Männern wie von Frauen ausgeht. Die allgemein, wohl auch von Herrn Kerner, übernommene feministische Weltformel: Mann = Täter, Frau = Opfer hat sich als falsch herausgestellt. (Daß Frauen in der Gewalt gegen Kinder und ältere Menschen sogar „führend“ sind – geschenkt.)
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat erst vor zwei, drei Jahren eine Pilotstudie zum Thema Gewalt gegen Männer in Deutschland in Auftrag gegeben. Der Abschlußbericht umfasst 1050 Seiten und ist jedem Bundesbürger frei zugänglich. Von Fernsehjournalisten kann man natürlich nicht verlangen, so etwas zu kennen. Wo kämen wir da denn auch hin?
Was bleibt (außer verdummten Zuschauern): Die übliche Desinformation durch Ausklammern ergänzender Fakten.
Was lief eigentlich im Dritten?
Samstag, 6. Oktober 2007
Leberwurstmanifest
Ich liege irgendwo zwischen Wolldecke und Zwerchfell eingewickelt im Himalaya. Dies sind die Reste, die vom Dosenfleisch übrigblieben, bevor ich meinen Yeti schlachten mußte.
Sechs verlotterte deutschtümelnde Seeotter befummeln meinen Tümpel. Um es ihnen ein für allemal abzugewöhnen, wusch ich mich zum ersten Mal in diesem Quartal unter den Armen. Plötzlich klingelte es an der Haustür. Es war der feine Herr Nachbar, der griente und flötete: Herr Becker, gut, daß Sie auch mal eine Waschung an sich vorgenommen haben. Wir haben hier im Haus schon Unterschriften gesammelt. Es kann ja jeder halten, wie er mag, doch der Geruch, der Geruch. Denken Sie doch nur mal an die Allgemeinheit.
Tür vor der Nase zugeschlagen, den Nachbarschaftsarsch stehengelassen. Misch dich nicht ein in mein Business, Metze, unwürdige. Mein Beschäftigungsschema paßt nicht in deine Quadratlatschen, du Spießer.
Und nun direkte Anrede an die Bekloppten auf den Hinterbänken: Ich gebe euch, versehrtes Publikum, den Proll, den Rüpel, den Voll Asi. Ich spreche übers Kotzen, Pinkeln, Kacken, Abspritzen, Sex in jeder Lebenslage, die Abwesenheit von Körperhygiene, Saufen, Fressen, Stöpseln. Dies ist bitte zu begreifen im Sinne der mittelalterlichen Fastnachtsspiele. Ich bringe euch eine Hanswurstiade fürs abgehende 21. Jahrhundert. Körperöffnungen und ihre Ausscheidungen, aber auch, was da reingeht, sorgen seit jeher für Belustigung. Und womit? Mit Recht.
Das ist mein Humor, den gilt es zu feiern. Ihr kommt darauf klar oder laßt es eben. Dazwischen gibt es wenig, vielleicht noch strickende Gotteskrieger in Kabul und verwesende, weil überfahrende Hunde in Neumexiko.
An allem bin mal wieder, klar, ich Schuld. Nur sagt das wieder gar nichts aus, und doch alles. Man muß ja irgendwie ein Image aufbauen. So wie 50 Cent. Von vielen für einen harten Rapper gehalten, ist dieser Milchbubi in meinen Augen doch keinen Pfifferling wert. Eher schon einen Schaumpilz.
Wie ich wirklich bin, weiß niemand. Ich selbst am allerwenigsten.
Sechs verlotterte deutschtümelnde Seeotter befummeln meinen Tümpel. Um es ihnen ein für allemal abzugewöhnen, wusch ich mich zum ersten Mal in diesem Quartal unter den Armen. Plötzlich klingelte es an der Haustür. Es war der feine Herr Nachbar, der griente und flötete: Herr Becker, gut, daß Sie auch mal eine Waschung an sich vorgenommen haben. Wir haben hier im Haus schon Unterschriften gesammelt. Es kann ja jeder halten, wie er mag, doch der Geruch, der Geruch. Denken Sie doch nur mal an die Allgemeinheit.
Tür vor der Nase zugeschlagen, den Nachbarschaftsarsch stehengelassen. Misch dich nicht ein in mein Business, Metze, unwürdige. Mein Beschäftigungsschema paßt nicht in deine Quadratlatschen, du Spießer.
Und nun direkte Anrede an die Bekloppten auf den Hinterbänken: Ich gebe euch, versehrtes Publikum, den Proll, den Rüpel, den Voll Asi. Ich spreche übers Kotzen, Pinkeln, Kacken, Abspritzen, Sex in jeder Lebenslage, die Abwesenheit von Körperhygiene, Saufen, Fressen, Stöpseln. Dies ist bitte zu begreifen im Sinne der mittelalterlichen Fastnachtsspiele. Ich bringe euch eine Hanswurstiade fürs abgehende 21. Jahrhundert. Körperöffnungen und ihre Ausscheidungen, aber auch, was da reingeht, sorgen seit jeher für Belustigung. Und womit? Mit Recht.
Das ist mein Humor, den gilt es zu feiern. Ihr kommt darauf klar oder laßt es eben. Dazwischen gibt es wenig, vielleicht noch strickende Gotteskrieger in Kabul und verwesende, weil überfahrende Hunde in Neumexiko.
An allem bin mal wieder, klar, ich Schuld. Nur sagt das wieder gar nichts aus, und doch alles. Man muß ja irgendwie ein Image aufbauen. So wie 50 Cent. Von vielen für einen harten Rapper gehalten, ist dieser Milchbubi in meinen Augen doch keinen Pfifferling wert. Eher schon einen Schaumpilz.
Wie ich wirklich bin, weiß niemand. Ich selbst am allerwenigsten.
Montag, 1. Oktober 2007
Wohin geht die Reise?
Die nächste Völkerwanderung kommt bestimmt. Bis dahin gehen wir mit gutem Beispiel voran. Doch wohin genau?
Marcus geht zu Ikea.
Constanze geht und hat einen schweren Autounfall.
Julian geht heute Abend zu einem Konzert in die Fabrik.
Peterchen geht auch in die Fabrik, muß dort allerdings arbeiten, am Band.
Tim geht als Funker an Bord.
Die Biene Maja geht im Sommer auf bundesweite Kinotour.
Bernd geht seinen Lebensweg, da macht er nichts verkehrt.
Nina geht in die Ferien.
Nicole geht immer nackt duschen.
Fabian geht zur Erstkommunion.
Julia geht verzweifelt zu Pater Lorenzo.
Robert geht in Pension.
Dennis geht Pause machen.
Der Dax geht baden.
Johnny Depp geht zurück in die USA, und seiner Tochter geht es besser.
Rocco geht’s heute so richtig scheiße (gut, braucht er wenigstens nicht raus).
Anna geht streichen.
Benny geht zunächst ins Rockcafé, dann verliert sich seine Spur.
Matze geht kotzen.
Evelyn geht zum BVB.
Annika geht nicht mehr zur Schule.
Chris geht in die Luft.
Hannah geht nach Ghana und heiratet Eddie.
Nadja geht skifahren.
Michael geht auf große Comeback-Tour.
Jennifer geht ins Kloster.
Caro geht mit ihrer Tante Conny im Meer schwimmen.
Die Liebe geht in einer offenen Beziehung schnell vor die Hunde.
Valentin geht mit seiner Mutter ins Theater.
Doreen geht es den Umständen entsprechend gut.
Herbert geht es aber durch das Penicillin schon viel besser.
Tina geht tanzen.
Walter geht in Richtung Schuleingang.
Stefan geht fischen.
Der neue Film von dem geht ja mal gar nicht.
Janine geht auf der linken Seite durch und wird am Fünfer gefoult – es gibt Elfmeter.
Unserem Hansi geht es von Tag zu Tag besser, und er ist trotz erst zweieinhalb Wochen Cortison-Behandlung schon fast eiweißfrei – ein gutes Zeichen, oder?
Sabrina geht mit dem jungen Hexer Dante aus.
Martin geht ein Licht auf.
Single Sandra geht zum Flirten am Liebsten ins Internet.
Lisa Plenske geht mit mäßigen Quoten – die kommenden Tage entscheiden.
Anke geht jetzt ins warme Bettchen.
Der Sieg geht absolut in Ordnung, da unterm Strich ein paar mehr Chancen zu verzeichnen waren.
Marcus geht zu Ikea.
Constanze geht und hat einen schweren Autounfall.
Julian geht heute Abend zu einem Konzert in die Fabrik.
Peterchen geht auch in die Fabrik, muß dort allerdings arbeiten, am Band.
Tim geht als Funker an Bord.
Die Biene Maja geht im Sommer auf bundesweite Kinotour.
Bernd geht seinen Lebensweg, da macht er nichts verkehrt.
Nina geht in die Ferien.
Nicole geht immer nackt duschen.
Fabian geht zur Erstkommunion.
Julia geht verzweifelt zu Pater Lorenzo.
Robert geht in Pension.
Dennis geht Pause machen.
Der Dax geht baden.
Johnny Depp geht zurück in die USA, und seiner Tochter geht es besser.
Rocco geht’s heute so richtig scheiße (gut, braucht er wenigstens nicht raus).
Anna geht streichen.
Benny geht zunächst ins Rockcafé, dann verliert sich seine Spur.
Matze geht kotzen.
Evelyn geht zum BVB.
Annika geht nicht mehr zur Schule.
Chris geht in die Luft.
Hannah geht nach Ghana und heiratet Eddie.
Nadja geht skifahren.
Michael geht auf große Comeback-Tour.
Jennifer geht ins Kloster.
Caro geht mit ihrer Tante Conny im Meer schwimmen.
Die Liebe geht in einer offenen Beziehung schnell vor die Hunde.
Valentin geht mit seiner Mutter ins Theater.
Doreen geht es den Umständen entsprechend gut.
Herbert geht es aber durch das Penicillin schon viel besser.
Tina geht tanzen.
Walter geht in Richtung Schuleingang.
Stefan geht fischen.
Der neue Film von dem geht ja mal gar nicht.
Janine geht auf der linken Seite durch und wird am Fünfer gefoult – es gibt Elfmeter.
Unserem Hansi geht es von Tag zu Tag besser, und er ist trotz erst zweieinhalb Wochen Cortison-Behandlung schon fast eiweißfrei – ein gutes Zeichen, oder?
Sabrina geht mit dem jungen Hexer Dante aus.
Martin geht ein Licht auf.
Single Sandra geht zum Flirten am Liebsten ins Internet.
Lisa Plenske geht mit mäßigen Quoten – die kommenden Tage entscheiden.
Anke geht jetzt ins warme Bettchen.
Der Sieg geht absolut in Ordnung, da unterm Strich ein paar mehr Chancen zu verzeichnen waren.
Sonntag, 23. September 2007
Das Media Markt Massaker
Die kleine Marie wußte gar nicht, wie ihr geschah. Mitten in der Nacht hatte ihr Vater sie aus dem Schlaf gerissen und dazu gedrängt, sich schnell etwas Hübsches anzuziehen. Genau verstand sie nicht, was er von ihr wollte, doch sie tat ihm den Gefallen und holte, ohne zu murren, ihr bestes Sonntagskleid aus dem Schrank.
Auf der Fahrt mit der S-Bahn erzählte ihr Vater irgendetwas von einer Mitternachtseröffnung. Seine Augen funkelten dabei wild. Marie bekam ein bißchen Angst, doch gleichzeitig war sie auch neugierig. Das mußte ein besonderes Ereignis sein, denn so hatte sie ihren Papa, den sonst nichts aus der Ruhe bringen konnte, noch nie erlebt.
Als sie am Alexanderplatz ankamen, hatten bereits über fünftausend wütende Menschen eine Traube vor dem noch versperrten Eingang gebildet. Lange würden sie sich die Aussperrung nicht mehr bieten lassen. Sie waren schließlich nicht zu ihrem Vergnügen hier.
Die Luft brannte. Haß, Geiz, Gier und Neid waren mit Händen greifbar. Die Masse drängelte sich vor den Rolltoren, hämmerte gegen die Lamellen und brüllte immer wieder: Aufmachen! Aufmachen! Ein gellendes Pfeifkonzert zerriß die Luft. Die Mitarbeiter im Inneren wurden nervös.
Ich bin doch nicht blöd und warte hier die ganze Nacht, grölte einer aus der Menge. Er stürmte los und gab somit für die anderen das Zeichen zum Angriff. Da war es halb zwölf.
Das Grauen begann. Niemand war vorbereitet auf das, was sich nun in den folgenden Stunden hier abspielen sollte.
Im Durcheinander vor dem Geschäft fielen die ersten Opfer dieser Nacht. Die Schwachen und Alten fielen zuerst in Ohnmacht, weil sie im Gedränge einfach keine Luft mehr bekamen. Wer zu Boden ging, wurde von den Nachrückenden einfach zertreten und zu Tode getrampelt. Viele wurden auch wehrlos an die Außenwand des Einkaufszentrums gedrückt und dort wie lästige Fliegen zwischen den Fingern zerquetscht.
Die Rolltore gaben dem gewaltigen Druck von außen nach. Die Glastür am Haupteingang zersplitterte. Der Druck der Menschenmasse traf diejenigen, die das Pech hatten, vorn in der ersten Reihe zu stehen, wie ein Hammer. Eine Flut von Menschen ergoß sich in das Erdgeschoß und schwappte über die Rolltreppen hinauf in die anderen Stockwerke.
Kameras und Handys flogen umher. Von überall Schreie. Es wurde geschubst, getreten, geschlagen. Die Situation geriet außer Kontrolle. Das erste Blut floß. Es gab kein Halten mehr. Die Hölle war losgebrochen, und niemand konnte dieses Chaos jetzt noch stoppen.
Schnäppchenjäger verwandelten sich plötzlich in grausame Bestien. Ein Zucken, ein Kreischen, ein Brüllen ging durch die rasende Menge. Das waren keine Menschen mehr, sondern Tiere.
Warenbehälter wurden niedergetrampelt. Ein Mann im Anzug erschlug einen anderen mit einem Telefonhörer. Eine Frau Mitte vierzig stand auf dem Verkaufstresen der Fernsehabteilung und schwang den Flachbildschirm, an dem sie sich festkrallte, wie eine Keule, die sie bedrängende Meute damit abwehrend. Die Infokasse 2 ging in Flammen auf.
Jetzt verschwand auch Maries Vater in der Menschenmenge. Wie von einem Sog wurde er weggerissen. Er ging unter und tauchte nicht wieder auf.
Die Männer vom Sicherheitsdienst wurden von den Kunden mit Elektrogeräten verprügelt. Knochen barsten, Rippen brachen. Den über hundert Polizisten, die vor Ort im Einsatz waren, erging es nicht besser. Sie konnten gegen die Überzahl an Gegnern einfach nichts ausrichten und wurden mit bloßen Händen zerfetzt. Mancher klammerte sich anschließend an den ergatterten blutverschmierten Polizeihelm, als handle es sich dabei um eine wertvolle Trophäe.
Der panische Marktleiter schrie seine im Sterben liegenden Mitarbeiter an, sie sollten doch irgendetwas unternehmen. Doch es war bereits zu spät. Überall um ihn herum sanken deformierte leblose Körper zu Boden.
Erst nach Stunden fand die Raserei allmählich ein Ende. Eine bleierne Todesstille senkte sich im Morgengrauen über das Einkaufszentrum. Tote Menschen lagen überall zu grotesken Haufen aufgetürmt übereinander. Nichts als Blut, Knochen, rohes Fleisch.
Niemand war in diesem Wahnsinn davongekommen. Fast niemand.
Die kleine Marie hatte als Einzige überlebt und stand in ihrem vom Blut fremder Menschen verklebten Sonntagskleid an der zerborstenen Glasfront. Sie sah apathisch hinaus in den Sonnenaufgang des neuen Morgens.
Auf der Fahrt mit der S-Bahn erzählte ihr Vater irgendetwas von einer Mitternachtseröffnung. Seine Augen funkelten dabei wild. Marie bekam ein bißchen Angst, doch gleichzeitig war sie auch neugierig. Das mußte ein besonderes Ereignis sein, denn so hatte sie ihren Papa, den sonst nichts aus der Ruhe bringen konnte, noch nie erlebt.
Als sie am Alexanderplatz ankamen, hatten bereits über fünftausend wütende Menschen eine Traube vor dem noch versperrten Eingang gebildet. Lange würden sie sich die Aussperrung nicht mehr bieten lassen. Sie waren schließlich nicht zu ihrem Vergnügen hier.
Die Luft brannte. Haß, Geiz, Gier und Neid waren mit Händen greifbar. Die Masse drängelte sich vor den Rolltoren, hämmerte gegen die Lamellen und brüllte immer wieder: Aufmachen! Aufmachen! Ein gellendes Pfeifkonzert zerriß die Luft. Die Mitarbeiter im Inneren wurden nervös.
Ich bin doch nicht blöd und warte hier die ganze Nacht, grölte einer aus der Menge. Er stürmte los und gab somit für die anderen das Zeichen zum Angriff. Da war es halb zwölf.
Das Grauen begann. Niemand war vorbereitet auf das, was sich nun in den folgenden Stunden hier abspielen sollte.
Im Durcheinander vor dem Geschäft fielen die ersten Opfer dieser Nacht. Die Schwachen und Alten fielen zuerst in Ohnmacht, weil sie im Gedränge einfach keine Luft mehr bekamen. Wer zu Boden ging, wurde von den Nachrückenden einfach zertreten und zu Tode getrampelt. Viele wurden auch wehrlos an die Außenwand des Einkaufszentrums gedrückt und dort wie lästige Fliegen zwischen den Fingern zerquetscht.
Die Rolltore gaben dem gewaltigen Druck von außen nach. Die Glastür am Haupteingang zersplitterte. Der Druck der Menschenmasse traf diejenigen, die das Pech hatten, vorn in der ersten Reihe zu stehen, wie ein Hammer. Eine Flut von Menschen ergoß sich in das Erdgeschoß und schwappte über die Rolltreppen hinauf in die anderen Stockwerke.
Kameras und Handys flogen umher. Von überall Schreie. Es wurde geschubst, getreten, geschlagen. Die Situation geriet außer Kontrolle. Das erste Blut floß. Es gab kein Halten mehr. Die Hölle war losgebrochen, und niemand konnte dieses Chaos jetzt noch stoppen.
Schnäppchenjäger verwandelten sich plötzlich in grausame Bestien. Ein Zucken, ein Kreischen, ein Brüllen ging durch die rasende Menge. Das waren keine Menschen mehr, sondern Tiere.
Warenbehälter wurden niedergetrampelt. Ein Mann im Anzug erschlug einen anderen mit einem Telefonhörer. Eine Frau Mitte vierzig stand auf dem Verkaufstresen der Fernsehabteilung und schwang den Flachbildschirm, an dem sie sich festkrallte, wie eine Keule, die sie bedrängende Meute damit abwehrend. Die Infokasse 2 ging in Flammen auf.
Jetzt verschwand auch Maries Vater in der Menschenmenge. Wie von einem Sog wurde er weggerissen. Er ging unter und tauchte nicht wieder auf.
Die Männer vom Sicherheitsdienst wurden von den Kunden mit Elektrogeräten verprügelt. Knochen barsten, Rippen brachen. Den über hundert Polizisten, die vor Ort im Einsatz waren, erging es nicht besser. Sie konnten gegen die Überzahl an Gegnern einfach nichts ausrichten und wurden mit bloßen Händen zerfetzt. Mancher klammerte sich anschließend an den ergatterten blutverschmierten Polizeihelm, als handle es sich dabei um eine wertvolle Trophäe.
Der panische Marktleiter schrie seine im Sterben liegenden Mitarbeiter an, sie sollten doch irgendetwas unternehmen. Doch es war bereits zu spät. Überall um ihn herum sanken deformierte leblose Körper zu Boden.
Erst nach Stunden fand die Raserei allmählich ein Ende. Eine bleierne Todesstille senkte sich im Morgengrauen über das Einkaufszentrum. Tote Menschen lagen überall zu grotesken Haufen aufgetürmt übereinander. Nichts als Blut, Knochen, rohes Fleisch.
Niemand war in diesem Wahnsinn davongekommen. Fast niemand.
Die kleine Marie hatte als Einzige überlebt und stand in ihrem vom Blut fremder Menschen verklebten Sonntagskleid an der zerborstenen Glasfront. Sie sah apathisch hinaus in den Sonnenaufgang des neuen Morgens.
Montag, 17. September 2007
Die heilige Britney der Schlachthöfe
Der ehemalige Musiksender MTV hatte geladen, und alle, alle kamen sie. Selbst Britney Spears, seit drei Jahren bühnenabstinent und zuletzt eher durch postnatale Depressionen, Aufenthalte in der Reha, den Verzicht auf Unterwäsche und radikale Lösungen für Frisurprobleme, denn durch ihre Musik aufgefallen. Ein Abend bei den Video Music Awards. Das also sollte das große, strahlende Comeback werden. Es kam jedoch ganz anders.
Britneys nervöser Auftritt gehörte wahrlich nicht zu den Sternstunden in der Geschichte des Musikfernsehens – was aber letzten Endes eigentlich auch schon wieder egal sein kann, zumal MTV selbst sich schon lange nicht mehr der Videoclip-Kultur widmet, sondern lieber den ganzen lieben langen Tag hindurch dritt- und viertklassige US-Formate abspult, in denen abgehalfterte Promis und ihre Familien vorgeführt werden oder aber man die amerikanischen Dating-Gepflogenheiten zelebriert. Wenn man beim Zappen Glück hat, läuft gerade eine Wiederholung von South Park oder Xzibit motzt mal wieder eine alte Rostlaube auf. Mit Musik hat das alles indes wenig zu tun.
Und so verwundert es auch nicht weiter, daß die Hauspostille namens MTV News sich schon vor Jahren auf die reine Verbreitung von Klatsch, Tratsch und anderem Gossip verlegt hat. Eigentliche Musikberichterstattung ginge jedenfalls anders – aber Musik kommt bei MTV, home of the Klingeltöne, sowieso nicht mehr vor.
Im Falle der sichtlich verunsicherten Spears bot sich dem Sender nun, als alles vorbei war, ein wahrlich schmackhaftes gefundenes Fressen. Das Nachtreten begann bereits im unmittelbaren Anschluß an Britneys Performance, als die amerikanische C-Komikerin Sarah Silverman, vor deren Fäkal- und Vaginahumor selbst Ingo Appelt in seinen besten Zeiten entsetzt zurückgewichen wäre, genüßlich über das gefallene Pop-Sternchen herzog. Der Saal johlte, und mit ihm Millionen von gehässigen Fernsehzuschauern in aller Welt.
Wie bösartig sogenannter Fernsehjournalismus wirklich sein kann, zeigte sich dann in den nachfolgenden Tagen, in denen die Spears beinahe im Alleingang die „Nachrichten“-Sendungen bei MTV füllte. Jeden Tag tauchten neue haarsträubende Gerüchte auf, Verschwörungstheorien darüber, warum dieser Drei-Minuten-Auftritt so dermaßen in die Hose ging. Britney habe sich nicht vernünftig vorbereitet, sondern lieber Margaritas geschlürft, nein, halt, noch besser, sie hätte unter Medikamenteneinfluß gestanden und sich vorher dermaßen zugedröhnt, daß es selbst einen ausgewachsenen Elefantenbullen umgehauen hätte. Hoho. Gröl. Was für ein Haufen armseliger sensationslüsterner Wichser.
Die Böhsen Onkelz, sonst ja eher keine Bank in Sachen Vorbildfunktion, scheinen also zumindest ein Mal in ihrer Karriere doch Recht behalten zu haben, als sie einst forderten: Keine Amnestie für MTV. Wenn Britney in diesem Geschäft in Zukunft weiter überleben will, sollte sie jedenfalls schleunigst lernen, die Hand zu beißen, die sie früher mal gefüttert hat.
Im Lande Pop bleibt somit alles beim Alten: Erst bauen sie dich auf, nur um dich hinterher richtig schön fertigmachen zu können. Bereits im antiken Theater jedoch lernten wir, daß dabei die Fallhöhe stimmen muß. Im Falle der völlig neben der Spur laufenden Frau Spears ist diese aber schon seit Jahren nicht mehr gegeben.
Als junges Mädchen wurde sie von MTV hochgejubelt und zelebriert – nun, mit Mitte zwanzig, ist sie, gemessen an den Standards des verlogenen Pop-Geschäfts, alt und reif für die Schlachtbank. Kuck mal, wie dick die geworden ist, raunen sich die schwabbeligen Fettis vor der Glotze gegenseitig zu, bloß weil Britney nach zwei Geburten, wen wundert’s, nicht mehr so bulimisch daherkommt wie etwa Keira Knightley. Achtundneunzig Prozent derer, die nichts Besseres zu tun hatten, als hämisch über das Gewicht und Aussehen der Spears abzulästern, würden in Wahrheit für einen solchen Look töten.
Vielleicht braucht die gefallene Prinzessin vom Lande Pop wirklich Hilfe. Bei MTV jedoch, diesem sendergewordenen Haufen Scheiße mit einem Niveau irgendwo zwischen schlechtem Stil und absolut den Arsch offen haben, bekommt sie diese mit Sicherheit nicht.
Britneys nervöser Auftritt gehörte wahrlich nicht zu den Sternstunden in der Geschichte des Musikfernsehens – was aber letzten Endes eigentlich auch schon wieder egal sein kann, zumal MTV selbst sich schon lange nicht mehr der Videoclip-Kultur widmet, sondern lieber den ganzen lieben langen Tag hindurch dritt- und viertklassige US-Formate abspult, in denen abgehalfterte Promis und ihre Familien vorgeführt werden oder aber man die amerikanischen Dating-Gepflogenheiten zelebriert. Wenn man beim Zappen Glück hat, läuft gerade eine Wiederholung von South Park oder Xzibit motzt mal wieder eine alte Rostlaube auf. Mit Musik hat das alles indes wenig zu tun.
Und so verwundert es auch nicht weiter, daß die Hauspostille namens MTV News sich schon vor Jahren auf die reine Verbreitung von Klatsch, Tratsch und anderem Gossip verlegt hat. Eigentliche Musikberichterstattung ginge jedenfalls anders – aber Musik kommt bei MTV, home of the Klingeltöne, sowieso nicht mehr vor.
Im Falle der sichtlich verunsicherten Spears bot sich dem Sender nun, als alles vorbei war, ein wahrlich schmackhaftes gefundenes Fressen. Das Nachtreten begann bereits im unmittelbaren Anschluß an Britneys Performance, als die amerikanische C-Komikerin Sarah Silverman, vor deren Fäkal- und Vaginahumor selbst Ingo Appelt in seinen besten Zeiten entsetzt zurückgewichen wäre, genüßlich über das gefallene Pop-Sternchen herzog. Der Saal johlte, und mit ihm Millionen von gehässigen Fernsehzuschauern in aller Welt.
Wie bösartig sogenannter Fernsehjournalismus wirklich sein kann, zeigte sich dann in den nachfolgenden Tagen, in denen die Spears beinahe im Alleingang die „Nachrichten“-Sendungen bei MTV füllte. Jeden Tag tauchten neue haarsträubende Gerüchte auf, Verschwörungstheorien darüber, warum dieser Drei-Minuten-Auftritt so dermaßen in die Hose ging. Britney habe sich nicht vernünftig vorbereitet, sondern lieber Margaritas geschlürft, nein, halt, noch besser, sie hätte unter Medikamenteneinfluß gestanden und sich vorher dermaßen zugedröhnt, daß es selbst einen ausgewachsenen Elefantenbullen umgehauen hätte. Hoho. Gröl. Was für ein Haufen armseliger sensationslüsterner Wichser.
Die Böhsen Onkelz, sonst ja eher keine Bank in Sachen Vorbildfunktion, scheinen also zumindest ein Mal in ihrer Karriere doch Recht behalten zu haben, als sie einst forderten: Keine Amnestie für MTV. Wenn Britney in diesem Geschäft in Zukunft weiter überleben will, sollte sie jedenfalls schleunigst lernen, die Hand zu beißen, die sie früher mal gefüttert hat.
Im Lande Pop bleibt somit alles beim Alten: Erst bauen sie dich auf, nur um dich hinterher richtig schön fertigmachen zu können. Bereits im antiken Theater jedoch lernten wir, daß dabei die Fallhöhe stimmen muß. Im Falle der völlig neben der Spur laufenden Frau Spears ist diese aber schon seit Jahren nicht mehr gegeben.
Als junges Mädchen wurde sie von MTV hochgejubelt und zelebriert – nun, mit Mitte zwanzig, ist sie, gemessen an den Standards des verlogenen Pop-Geschäfts, alt und reif für die Schlachtbank. Kuck mal, wie dick die geworden ist, raunen sich die schwabbeligen Fettis vor der Glotze gegenseitig zu, bloß weil Britney nach zwei Geburten, wen wundert’s, nicht mehr so bulimisch daherkommt wie etwa Keira Knightley. Achtundneunzig Prozent derer, die nichts Besseres zu tun hatten, als hämisch über das Gewicht und Aussehen der Spears abzulästern, würden in Wahrheit für einen solchen Look töten.
Vielleicht braucht die gefallene Prinzessin vom Lande Pop wirklich Hilfe. Bei MTV jedoch, diesem sendergewordenen Haufen Scheiße mit einem Niveau irgendwo zwischen schlechtem Stil und absolut den Arsch offen haben, bekommt sie diese mit Sicherheit nicht.
Abonnieren
Posts (Atom)
