In einem alten Interview sprach Falco von seinem Karriereknick. Wenigstens das Problem hatte der junge Römer schon mal nicht. Er hatte überhaupt keine Karriere, da konnte also gar nichts knicken.
Er war bloß ein Barbiemädchen in einer Barbiewelt. Sein Leben bestand aus Plastik und war auch sonst ziemlich prima. Er schnippte ein Weilchen seine alten Fußnägel aus dem Kellerfenster und dachte sich danach für den Rest des Tages lustige Indianernamen aus. Sein Favorit dabei war: Der, der im RAF-Kofferraum hockt.
Ganz schlimm wird es ja immer da, wo die Leute sich wiederfinden können. Man haut ein paar Phrasen, möglichst plump, raus und schon ist man everybody’s darling. Und der Depp im Zuschauerraum, offener Vertreter des abgeschmackten Hochspießertums, nickt ergriffen und denkt sich: Genau so und nicht anders isses, denn das habe ich mir auch schon oft gedacht... Genau deshalb aber stimmt es ja eben nicht, kann überhaupt nicht stimmen, nein, niemals.
Anderntags rief ihn, den jungen Römer, wen denn sonst, der alte Schwede an. Aus Gewohnheit nahm der Römer das Telefongespräch entgegen. Am anderen Ende der Standleitung hörte er ein Knacken, ein Schmatzen, dann Stille und dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, eine Stimme wie aus einem untergegangenen Imperium.
Der Schwede raunzte und maunzte, als käme es von altem, jahrzehntelang nicht abgespielten Schellack: Der letzte Winter war vier Grad zu warm. Ich habe darum gleich mal meinen Kühlschrank offen gelassen, um dem ein wenig entgegenzuwirken. Es gibt so viele Dinge, die jeder einzelne von uns tun kann, um der Umwelt wieder ein wenig auf die Sprünge zu helfen.
Der junge Römer konnte sich ein Gähnen nicht verkneifen und legte auf. Manches ist so klar und offensichtlich, daß es schon wieder langweilig ist.
Sonntag, 23. November 2008
Montag, 17. November 2008
Film noir
Wir müssen etwas bereden, sagte sie mit einer Stimme, die keinerlei Widerspruch zuließ, aber Zweifel einforderte.
Sie hatte sich sehr verändert seit unserer letzten Begegnung. Nicht unbedingt zu ihrem Vorteil, aber was soll’s? Immerhin die abstehenden Ohren hatte sie sich mittlerweile, wenn auch scheinbar mit der Heckenschere, anlegen lassen. Das war zumindest schon mal ein Anfang.
Was willst du? fragte ich sie.
Dein Geld, antwortete sie abgeklärt und wie einstudiert.
Tut mir leid, Häschen, da ist nicht mehr viel zu holen. Aber wenn du willst, fuhr ich, um sie ein wenig aufzumuntern, fort, dann komm doch zu mir rüber, einmal hin, einmal her, ringsherum um den Mahagonischreibtisch, das ist nicht schwer. Und dann spiel noch mal wie früher das alte Lied der Liebe auf meiner Fleischflöte.
Diese neue Offenheit schien sie für einen Augenblick aus dem Konzept zu bringen. Dann fing sie sich jedoch wieder und fragte mich mit ruhiger Stimme, wie es in Davos gewesen wäre.
Och, Davos, setzte ich wie beiläufig an und nippte dabei lässig an meinem Brandy. In Davos war es sehr schön, nur wirklich erreichen können habe ich nichts.
Langsam wurde es ihr, wie sie so in ihrem schwarz und weiß gestreiften Tüllkleid vor mir stand, zu bunt im Büro meiner Detektei.
Ich schwieg sie jedoch beharrlich an. Das, da war ich mir sicher, würde ihr nun endgültig den Rest geben.
Es konnte sich nur noch um Augenblicke handeln, bis sie wie das HB-Männchen unter die Decke gehen würde. Und ich sollte Recht behalten.
Sie zog mit der Linken geschickt das Tüllkleid hoch und urinierte auf meinen Perserkatzenteppich.
Dann wurde es unangenehm.
BLOG DEIN ARSCH, DU MISSGEBURT! waren ihre letzten Worte, bevor sie wutentbrannt davonstürmte und hinter sich die Bürotür lautstark ins Schloß knallte.
Die Zeit im Berliner Problemkiez Shotgun Wedding war ihr sichtlich gut bekommen.
Sie hatte sich sehr verändert seit unserer letzten Begegnung. Nicht unbedingt zu ihrem Vorteil, aber was soll’s? Immerhin die abstehenden Ohren hatte sie sich mittlerweile, wenn auch scheinbar mit der Heckenschere, anlegen lassen. Das war zumindest schon mal ein Anfang.
Was willst du? fragte ich sie.
Dein Geld, antwortete sie abgeklärt und wie einstudiert.
Tut mir leid, Häschen, da ist nicht mehr viel zu holen. Aber wenn du willst, fuhr ich, um sie ein wenig aufzumuntern, fort, dann komm doch zu mir rüber, einmal hin, einmal her, ringsherum um den Mahagonischreibtisch, das ist nicht schwer. Und dann spiel noch mal wie früher das alte Lied der Liebe auf meiner Fleischflöte.
Diese neue Offenheit schien sie für einen Augenblick aus dem Konzept zu bringen. Dann fing sie sich jedoch wieder und fragte mich mit ruhiger Stimme, wie es in Davos gewesen wäre.
Och, Davos, setzte ich wie beiläufig an und nippte dabei lässig an meinem Brandy. In Davos war es sehr schön, nur wirklich erreichen können habe ich nichts.
Langsam wurde es ihr, wie sie so in ihrem schwarz und weiß gestreiften Tüllkleid vor mir stand, zu bunt im Büro meiner Detektei.
Ich schwieg sie jedoch beharrlich an. Das, da war ich mir sicher, würde ihr nun endgültig den Rest geben.
Es konnte sich nur noch um Augenblicke handeln, bis sie wie das HB-Männchen unter die Decke gehen würde. Und ich sollte Recht behalten.
Sie zog mit der Linken geschickt das Tüllkleid hoch und urinierte auf meinen Perserkatzenteppich.
Dann wurde es unangenehm.
BLOG DEIN ARSCH, DU MISSGEBURT! waren ihre letzten Worte, bevor sie wutentbrannt davonstürmte und hinter sich die Bürotür lautstark ins Schloß knallte.
Die Zeit im Berliner Problemkiez Shotgun Wedding war ihr sichtlich gut bekommen.
Montag, 10. November 2008
Stuhl im Blut
Rosa Düsterberg hatte nicht gut geschlafen. Sie machte sich Sorgen wegen der anstehenden ärztlichen Untersuchung. Der morgendliche schwarze Auswurf erfüllte sie auch nicht eben mit Zuversicht.
Von nun an ging’s bergab. Demnächst womöglich gar Stuhl im Blut.
Sie versuchte sich abzulenken mit Gedanken, die entschieden zu groß waren für ihren kleinen Kopf. Früher, sinnierte sie so bei sich, war alles besser, sogar der internationale Terrorismus. In den 60ern etwa konnte es sich Andreas Baader noch leisten, in einem Porsche zur Arbeit zu fahren. Das kann man heutigen Irakis gar nicht mehr vermitteln. Und trotzdem machen die weiter, als kriegten sie’s bezahlt.
So viel Lebensfreude wünschte sich Rosa auch mal. Doch davon war sie meilenweit entfernt.
Sie erinnerte sich an das gestrige Treffen mit Fred. Das war sehr unangenehm verlaufen.
Fred war ihr zu nah auf die Pelle gerückt und hatte ihr wiederholt ins Auge gespuckt. Nicht, daß er das von weiter Hand im Vorfeld geplant gehabt hätte. Seine Aussprache war einfach nur unverschämt feucht.
Rosa war bei ihrem konspirativen Meeting bei Milchkaffee und Schokocroissants in einem dafür vorgesehenen Straßencafé so unvorsichtig gewesen, zu gestehen, daß sie die letzte, rockistische Platte von Morrissey eigentlich doch ganz gut fand. Aber das mußte nichts heißen, sie mochte ja auch Pete Doherty. Das aber verschwieg sie dem strengen Fred gegenüber lieber mal. Besser ist das.
Kaum hatte sie geendigt, da stach Fred ihr auch schon mit dem Finger ins Gesicht und maulte: Das bißchen angelesen macht dich noch nicht zu einem großen Denker, Frollein Düsterberg, und wer Morrissey allen Ernstes für einen Intellektuellen hält, mit dem ist im Oberstübchen scheinbar wirklich nicht viel los. Am Ende des Tages sind wir schließlich immer noch Gymnasiasten, und wenn WIR schon nicht mehr aufpassen und darauf achten, was cool und was uncool ist, wer tut es dann?
Das leuchtete selbst Rosa irgendwo ein. Style und Attitüde waren doch so wichtig.
Aber vermochten sie etwas gegen schwarzen Auswurf?
Von nun an ging’s bergab. Demnächst womöglich gar Stuhl im Blut.
Sie versuchte sich abzulenken mit Gedanken, die entschieden zu groß waren für ihren kleinen Kopf. Früher, sinnierte sie so bei sich, war alles besser, sogar der internationale Terrorismus. In den 60ern etwa konnte es sich Andreas Baader noch leisten, in einem Porsche zur Arbeit zu fahren. Das kann man heutigen Irakis gar nicht mehr vermitteln. Und trotzdem machen die weiter, als kriegten sie’s bezahlt.
So viel Lebensfreude wünschte sich Rosa auch mal. Doch davon war sie meilenweit entfernt.
Sie erinnerte sich an das gestrige Treffen mit Fred. Das war sehr unangenehm verlaufen.
Fred war ihr zu nah auf die Pelle gerückt und hatte ihr wiederholt ins Auge gespuckt. Nicht, daß er das von weiter Hand im Vorfeld geplant gehabt hätte. Seine Aussprache war einfach nur unverschämt feucht.
Rosa war bei ihrem konspirativen Meeting bei Milchkaffee und Schokocroissants in einem dafür vorgesehenen Straßencafé so unvorsichtig gewesen, zu gestehen, daß sie die letzte, rockistische Platte von Morrissey eigentlich doch ganz gut fand. Aber das mußte nichts heißen, sie mochte ja auch Pete Doherty. Das aber verschwieg sie dem strengen Fred gegenüber lieber mal. Besser ist das.
Kaum hatte sie geendigt, da stach Fred ihr auch schon mit dem Finger ins Gesicht und maulte: Das bißchen angelesen macht dich noch nicht zu einem großen Denker, Frollein Düsterberg, und wer Morrissey allen Ernstes für einen Intellektuellen hält, mit dem ist im Oberstübchen scheinbar wirklich nicht viel los. Am Ende des Tages sind wir schließlich immer noch Gymnasiasten, und wenn WIR schon nicht mehr aufpassen und darauf achten, was cool und was uncool ist, wer tut es dann?
Das leuchtete selbst Rosa irgendwo ein. Style und Attitüde waren doch so wichtig.
Aber vermochten sie etwas gegen schwarzen Auswurf?
Dienstag, 4. November 2008
Bring mich da rein, ich bin ein Star
Say goodbye to Hollywood, say goodbye to Plötzensee. Auf Wiedersehn, du Rötzchentee, der du mir auf die Klötzchen geht.
Berlin war einmal, ist aber nun vorbei. Gott sei es gedankt. Aber zackig. Denn der hat seine Zeit auch nicht gestohlen.
Überhaupt ist Germania die Stadt in Alemann, in der Probleme noch direkt angepackt werden. Und da, wo es gar keine Probleme gibt, da schaffen wir uns eben selbst welche. Erst letzte Woche sah ich Montagmorgens verdutzt raus auf die Straße und entdeckte dort, daß jemand eine Leiter an die schöne, alte Gaslaterne vor meinem Küchenfenster gelehnt hatte. Als sich wenig später, so drei, vier Stunden danach, auch mal ein Arbeiter blicken läßt und Anstalten macht, auf die Leiter zu klettern, sagt man ihm, daß die Laterne völlig in Ordnung sei und jeden Abend brenne. Routinewartung, entgegnet der Mechaniker kurzangebunden und macht sich ans Werk. An diesem Abend bleibt dann die Gaslaterne dunkel. Ooch dit is Berlin, plenty of space, but no plan. Und darum muß ich weg hier.
Noch schlimmer wurde es am Dienstag, als ich mich ins Nachtleben stürzte. Auf dem Klo vom Maria am Ostbahnhof fand ich einen USB-Stick mit neuen, bisher unveröffentlichten MP3s von den Arctic Monkeys. Daheim habe ich die Scheiße gleich gelöscht und mir statt dessen Pornobilder draufgezogen. Der Kampf um eine bessere Welt wird Hier und Jetzt geschlagen. Damit wenigstens einer weiß, wo es langgeht. So bilde ich die grobe Ausnahme in Berlin, the city that never decides.
Mittwoch meldete ich mich dann krank bei der Werbeagentur, wo ich Kaffee koche und ausgebeutet werde. Dabei kommen Slogans eigentlich immer ganz gut. Für die Hauptstadt könnte man beispielsweise werben mit: Berlin, die Stadt, wo jeder Proll denkt, er sei eine Mischung aus Harald Juhnke, Horst Buchholz und Fred Astaire. Mindestens. Oder, wer es gern internationaler mag (in English, please): Berlin, many problems, but only one airport. Tempelhof is nu dichte, Keule. Wenn da die Touristen nicht in Strömen scharren, dann weiß ich auch nicht.
Zum Relaxen mache ich mir anschließend am Donnerstag das Fernsehen an. Der Moderator sagt: Mein nächster Gast ist Schauspielerin... wie jede andere Frau auch. Nur mit dem Unterschied, daß sie dafür bezahlt wird.
Ich schalte um. Ui, prima, da kann man was gewinnen. Der durch das Programm führende Sprechautomat im Smoking plappert: Und nun wird es zum Abschluß unserer Sendung noch Zeit für das große Hauptstadtquiz. Zu gewinnen gibt es diesmal ein Abendessen im Restaurant vom Fernsehturm mit den Ehrengästen Klaus Wowereit und Knut. Ist er nicht niedlich? Welcher denn jetzt von den beiden? Na egal. Sie müssen lediglich folgende Frage richtig beantworten: Von wem stammt folgendes Zitat? Los geht’s: Berlin habe ich immer gern gehabt, und wenn es mich kümmert, daß vieles da nicht schön ist, so nur, weil mir die Stadt etwas bedeutet. Die richtige Antwort lautet Adolf Hitler und wird, ebenso wie jeder sachdienliche Hinweis, von Ihrer nächsten Polizeidienststelle gern und dankbar entgegengenommen. Die Jungs haben ja auch sonst nichts zu tun.
Beifall, Kuhglocken läuten. Paul Kuhn macht Breakdance. Wird echt Zeit für die Verbraucherhinweise.
Berlin war einmal, ist aber nun vorbei. Gott sei es gedankt. Aber zackig. Denn der hat seine Zeit auch nicht gestohlen.
Überhaupt ist Germania die Stadt in Alemann, in der Probleme noch direkt angepackt werden. Und da, wo es gar keine Probleme gibt, da schaffen wir uns eben selbst welche. Erst letzte Woche sah ich Montagmorgens verdutzt raus auf die Straße und entdeckte dort, daß jemand eine Leiter an die schöne, alte Gaslaterne vor meinem Küchenfenster gelehnt hatte. Als sich wenig später, so drei, vier Stunden danach, auch mal ein Arbeiter blicken läßt und Anstalten macht, auf die Leiter zu klettern, sagt man ihm, daß die Laterne völlig in Ordnung sei und jeden Abend brenne. Routinewartung, entgegnet der Mechaniker kurzangebunden und macht sich ans Werk. An diesem Abend bleibt dann die Gaslaterne dunkel. Ooch dit is Berlin, plenty of space, but no plan. Und darum muß ich weg hier.
Noch schlimmer wurde es am Dienstag, als ich mich ins Nachtleben stürzte. Auf dem Klo vom Maria am Ostbahnhof fand ich einen USB-Stick mit neuen, bisher unveröffentlichten MP3s von den Arctic Monkeys. Daheim habe ich die Scheiße gleich gelöscht und mir statt dessen Pornobilder draufgezogen. Der Kampf um eine bessere Welt wird Hier und Jetzt geschlagen. Damit wenigstens einer weiß, wo es langgeht. So bilde ich die grobe Ausnahme in Berlin, the city that never decides.
Mittwoch meldete ich mich dann krank bei der Werbeagentur, wo ich Kaffee koche und ausgebeutet werde. Dabei kommen Slogans eigentlich immer ganz gut. Für die Hauptstadt könnte man beispielsweise werben mit: Berlin, die Stadt, wo jeder Proll denkt, er sei eine Mischung aus Harald Juhnke, Horst Buchholz und Fred Astaire. Mindestens. Oder, wer es gern internationaler mag (in English, please): Berlin, many problems, but only one airport. Tempelhof is nu dichte, Keule. Wenn da die Touristen nicht in Strömen scharren, dann weiß ich auch nicht.
Zum Relaxen mache ich mir anschließend am Donnerstag das Fernsehen an. Der Moderator sagt: Mein nächster Gast ist Schauspielerin... wie jede andere Frau auch. Nur mit dem Unterschied, daß sie dafür bezahlt wird.
Ich schalte um. Ui, prima, da kann man was gewinnen. Der durch das Programm führende Sprechautomat im Smoking plappert: Und nun wird es zum Abschluß unserer Sendung noch Zeit für das große Hauptstadtquiz. Zu gewinnen gibt es diesmal ein Abendessen im Restaurant vom Fernsehturm mit den Ehrengästen Klaus Wowereit und Knut. Ist er nicht niedlich? Welcher denn jetzt von den beiden? Na egal. Sie müssen lediglich folgende Frage richtig beantworten: Von wem stammt folgendes Zitat? Los geht’s: Berlin habe ich immer gern gehabt, und wenn es mich kümmert, daß vieles da nicht schön ist, so nur, weil mir die Stadt etwas bedeutet. Die richtige Antwort lautet Adolf Hitler und wird, ebenso wie jeder sachdienliche Hinweis, von Ihrer nächsten Polizeidienststelle gern und dankbar entgegengenommen. Die Jungs haben ja auch sonst nichts zu tun.
Beifall, Kuhglocken läuten. Paul Kuhn macht Breakdance. Wird echt Zeit für die Verbraucherhinweise.
Montag, 27. Oktober 2008
Vollkontaktanzeige
Guten Tag. Mein Name ist Freiherr Dragomir Ingomar von Hodenstein. Ich bin dreiundfünfzig Jahre jung, ein Meter einundachtzig groß, verwitwet, liebevoller Vater eines Teenagers und sage gern lustige Sachen wie: Zum Bleistift.
Da mir meine Eltern durch kluge Namensgebung (Freunde nennen mich auch vertraulich Dr. Ing.) ein langwieriges Studium ersparten, gebe ich mich nunmehr seit Dekaden erfolgreich der Dekadenz hin.
Meine Hobbies sind Bügeln, Knattern, Waldsterben und Kohlrabi. Zum Wochenende fahre ich gern einmal mit meinem Hummer in den Wald und ramme dort Bäume, die daraufhin in der Regel entwurzeln. Zum Entspannen schaue ich mir gern im Fernsehen die schönsten Eisenbahnstrecken Europas an.
Einige Bücher, die ich mit Gewinn gelesen habe, sind: Sechs Schritte zur spirituellen Massenpsychose, Tontaubenschießen in Südpeking, Telefonbuch Tokio West, Pädophilie als Chance, sowie Der Hodenpark in Kunst und Dichtung des ausgehenden 21. Jahrhunderts.
Meine persönlichen Vorbilder sind, neben den üblichen zentralafrikanischen Diktatoren und Massenmördern, Bion vom Borysthenes, Diogenes von Sinope, Krates von Theben und Maxi Arland.
In meiner reich gesäten Freizeit gehe ich als ehrenamtlicher Oberstudiendirektor hausieren. Jedoch bin ich absolut kein Pauker alten Schlages, sondern eher väterlicher Freund und Mentor meiner Oberstufenschüler an einem Traditionsgymnasium. Die kleinen siebzehnjährigen Dinger sind ganz verrückt nach mir, kann ich Ihnen sagen.
Mehr als das gibt es eigentlich nicht für Sie über mich zu wissen, denn: Eitle Selbstdarstellung ist so gar nicht mein Ding. Schließlich wußte schon Karl Jaspers: Der Mensch ist immer mehr, als er von sich weiß und wissen muß. Dem schließe ich mich beharrlich an.
Das Internet lehne ich rigoros ab, obwohl viele Menschen heutzutage nach Internetpräsenz fragen. Ich aber frage Sie: Wie kann man in der Virtualität präsent sein? Das erkläre mir mal beizeiten einer.
Jedoch, so viel sei abschließend noch verraten: Ich bin ständig auf der Suche nach interessanten sozialen Kontakten, die ich ausbeuten und für meine Zwecke benutzen kann. Auch habe ich es mir zum Ziel gesetzt, mich innerhalb des ukrainischen Geldadels konsequent hochzuschlafen. Entsprechende Würdenträgerinnen, nach Möglichkeit gern auch naturverbunden, unternehmungslustig und mit kulturellem Anspruch ausgestattet, dürfen sich bei vorhandenem Interesse jederzeit per Nacktfoto bei mir bewerben.
Ich bin ein gut aussehender Zeitgenosse mit fast schon beneidenswertem intellektuellem Habitus, Interessenspektrum und Vita. Und das Schärfste: Ich kann immer.
Nur ernstliche Zuschriften mit Rückanschrift werden beantwortet.
Da mir meine Eltern durch kluge Namensgebung (Freunde nennen mich auch vertraulich Dr. Ing.) ein langwieriges Studium ersparten, gebe ich mich nunmehr seit Dekaden erfolgreich der Dekadenz hin.
Meine Hobbies sind Bügeln, Knattern, Waldsterben und Kohlrabi. Zum Wochenende fahre ich gern einmal mit meinem Hummer in den Wald und ramme dort Bäume, die daraufhin in der Regel entwurzeln. Zum Entspannen schaue ich mir gern im Fernsehen die schönsten Eisenbahnstrecken Europas an.
Einige Bücher, die ich mit Gewinn gelesen habe, sind: Sechs Schritte zur spirituellen Massenpsychose, Tontaubenschießen in Südpeking, Telefonbuch Tokio West, Pädophilie als Chance, sowie Der Hodenpark in Kunst und Dichtung des ausgehenden 21. Jahrhunderts.
Meine persönlichen Vorbilder sind, neben den üblichen zentralafrikanischen Diktatoren und Massenmördern, Bion vom Borysthenes, Diogenes von Sinope, Krates von Theben und Maxi Arland.
In meiner reich gesäten Freizeit gehe ich als ehrenamtlicher Oberstudiendirektor hausieren. Jedoch bin ich absolut kein Pauker alten Schlages, sondern eher väterlicher Freund und Mentor meiner Oberstufenschüler an einem Traditionsgymnasium. Die kleinen siebzehnjährigen Dinger sind ganz verrückt nach mir, kann ich Ihnen sagen.
Mehr als das gibt es eigentlich nicht für Sie über mich zu wissen, denn: Eitle Selbstdarstellung ist so gar nicht mein Ding. Schließlich wußte schon Karl Jaspers: Der Mensch ist immer mehr, als er von sich weiß und wissen muß. Dem schließe ich mich beharrlich an.
Das Internet lehne ich rigoros ab, obwohl viele Menschen heutzutage nach Internetpräsenz fragen. Ich aber frage Sie: Wie kann man in der Virtualität präsent sein? Das erkläre mir mal beizeiten einer.
Jedoch, so viel sei abschließend noch verraten: Ich bin ständig auf der Suche nach interessanten sozialen Kontakten, die ich ausbeuten und für meine Zwecke benutzen kann. Auch habe ich es mir zum Ziel gesetzt, mich innerhalb des ukrainischen Geldadels konsequent hochzuschlafen. Entsprechende Würdenträgerinnen, nach Möglichkeit gern auch naturverbunden, unternehmungslustig und mit kulturellem Anspruch ausgestattet, dürfen sich bei vorhandenem Interesse jederzeit per Nacktfoto bei mir bewerben.
Ich bin ein gut aussehender Zeitgenosse mit fast schon beneidenswertem intellektuellem Habitus, Interessenspektrum und Vita. Und das Schärfste: Ich kann immer.
Nur ernstliche Zuschriften mit Rückanschrift werden beantwortet.
Montag, 20. Oktober 2008
Mach’s noch einmal, Hugo
Statistiken besagen: Alle Statistiken lügen. Und eine Fortsetzung ist nie so gut wie das Original. So heißt es.
Hugo war heute jedoch guten Mutes und wildentschlossen, genau das Gegenteil davon zu beweisen. Sich, aber vor allem auch der Welt. Und nicht zu vergessen: Nora, seiner Flamme.
Was bisher geschah: Nora ging arbeiten, das war jetzt erst mal nicht sonderlich verwerflich, machten schließlich viele und das sogar Tag für Tag.
Nun aber war Nora so unvorsichtig gewesen, sich nach und nach, vielleicht aus Langeweile oder aus einem akuten Hormonstau heraus, in ihren Vorgesetzten zu vergucken.
Ein Mal war sie mit dem Rest der Belegschaft zu ihm nach Hause eingeladen worden zu einem gemütlichen Beisammensein, bei dem der Prokurist mal wieder, wie so häufig bei derartigen Gelegenheiten, erst zu tief ins Glas geschaut und sich danach anständig danebenbenommen hatte. Schon lange wurde in Noras Abteilung gemunkelt, der Mann habe ein ausgewachsenes Alkoholproblem.
Doch um den ging es ihr eigentlich gar nicht, obwohl er mit seinen gezeigten Ansätzen zum Ausflippen an diesem Abend nachher zwei Wochen lang für Gesprächsstoff in den Mittagspausen sorgen sollte, was da auch schon, im Moment der Ballabgabe, abzusehen war. Viel mehr zeigte sich Nora fasziniert von Chefchens Kamin. Sehr, sehr heimelig.
Den Psychoanalytikern unter den Lesern ist natürlich bereits hier ganz klar, daß der Boss für Nora nur als Projektionsfläche diente und sie sich gar nicht in ihn, sondern nur in seine gediegene Lebensweise und seine geschmackvolle Inneneinrichtung verliebt hatte.
Egal, da mußte Nora jetzt durch. Und somit eben auch: Hugo, der sich den ganzen Krempel am nächsten Tag brühwarm anhören durfte. Der Job als Kummerkasten mißfiel ihm immer mehr, er fraß seine Bedenken jedoch tapfer in sich rein und ließ Nora nichts davon spüren.
Die schwärmte unterdessen weiter von ihrem unerreichbaren Chef und war sich ganz sicher: Eines Tages würde ihr Traumprinz schon noch kommen – und wehe, der Bursche hätte dann kein ordentlich durchexerziertes Sixpack anzubieten!
Da konnte Hugo mit seinem gemütlichen Bierbauch natürlich nicht gegen anstinken. Also hieß es für ihn und sie: Freunde bleiben. Ja toll.
Aber, so dämmerte es Hugo langsam herauf, das könnte sich unter Umständen schwieriger gestalten als zuvor von allen Beteiligten angenommen, denn Bleiben bedeutet ja laut Lexikon: ein Zustand wird nicht verändert. Wie aber nun eine Freundschaft fortsetzen, die es gar nicht oder höchstens auf dem Papier gab?
Denn befreundet wollte er mit dieser doofen Zimtzicke nun wahrlich nicht sein. Er liebte sie, klar, aber er liebte auch einen guten Schweinsbraten oder alte Humphrey-Bogart-Filme.
Mann, dieser Bogart, der hätte sich so einen unklaren Beziehungsstatus mit Sicherheit nicht bieten lassen. Und während Hugo, der in letzter Zeit öfter mal monochrom statt farbig geträumt hatte, an die Wechselbeziehung zwischen echten Kerlen wie Bogart und kleinen verhutzelten Brillenmännlein wie ihn selbst dachte, daß es auch beides geben müsse, irgendwie, spätestens da ging ihm ein Licht auf: Mensch, sein Leben war in Wahrheit gar nicht sein Leben, sondern eigentlich ein Woody-Allen-Film.
Das stimmte ihn ein bißchen versöhnlich.
Abrupte Schwarzblende, Cole Porter beginnt zu singen, Abspann.
Hugo war heute jedoch guten Mutes und wildentschlossen, genau das Gegenteil davon zu beweisen. Sich, aber vor allem auch der Welt. Und nicht zu vergessen: Nora, seiner Flamme.
Was bisher geschah: Nora ging arbeiten, das war jetzt erst mal nicht sonderlich verwerflich, machten schließlich viele und das sogar Tag für Tag.
Nun aber war Nora so unvorsichtig gewesen, sich nach und nach, vielleicht aus Langeweile oder aus einem akuten Hormonstau heraus, in ihren Vorgesetzten zu vergucken.
Ein Mal war sie mit dem Rest der Belegschaft zu ihm nach Hause eingeladen worden zu einem gemütlichen Beisammensein, bei dem der Prokurist mal wieder, wie so häufig bei derartigen Gelegenheiten, erst zu tief ins Glas geschaut und sich danach anständig danebenbenommen hatte. Schon lange wurde in Noras Abteilung gemunkelt, der Mann habe ein ausgewachsenes Alkoholproblem.
Doch um den ging es ihr eigentlich gar nicht, obwohl er mit seinen gezeigten Ansätzen zum Ausflippen an diesem Abend nachher zwei Wochen lang für Gesprächsstoff in den Mittagspausen sorgen sollte, was da auch schon, im Moment der Ballabgabe, abzusehen war. Viel mehr zeigte sich Nora fasziniert von Chefchens Kamin. Sehr, sehr heimelig.
Den Psychoanalytikern unter den Lesern ist natürlich bereits hier ganz klar, daß der Boss für Nora nur als Projektionsfläche diente und sie sich gar nicht in ihn, sondern nur in seine gediegene Lebensweise und seine geschmackvolle Inneneinrichtung verliebt hatte.
Egal, da mußte Nora jetzt durch. Und somit eben auch: Hugo, der sich den ganzen Krempel am nächsten Tag brühwarm anhören durfte. Der Job als Kummerkasten mißfiel ihm immer mehr, er fraß seine Bedenken jedoch tapfer in sich rein und ließ Nora nichts davon spüren.
Die schwärmte unterdessen weiter von ihrem unerreichbaren Chef und war sich ganz sicher: Eines Tages würde ihr Traumprinz schon noch kommen – und wehe, der Bursche hätte dann kein ordentlich durchexerziertes Sixpack anzubieten!
Da konnte Hugo mit seinem gemütlichen Bierbauch natürlich nicht gegen anstinken. Also hieß es für ihn und sie: Freunde bleiben. Ja toll.
Aber, so dämmerte es Hugo langsam herauf, das könnte sich unter Umständen schwieriger gestalten als zuvor von allen Beteiligten angenommen, denn Bleiben bedeutet ja laut Lexikon: ein Zustand wird nicht verändert. Wie aber nun eine Freundschaft fortsetzen, die es gar nicht oder höchstens auf dem Papier gab?
Denn befreundet wollte er mit dieser doofen Zimtzicke nun wahrlich nicht sein. Er liebte sie, klar, aber er liebte auch einen guten Schweinsbraten oder alte Humphrey-Bogart-Filme.
Mann, dieser Bogart, der hätte sich so einen unklaren Beziehungsstatus mit Sicherheit nicht bieten lassen. Und während Hugo, der in letzter Zeit öfter mal monochrom statt farbig geträumt hatte, an die Wechselbeziehung zwischen echten Kerlen wie Bogart und kleinen verhutzelten Brillenmännlein wie ihn selbst dachte, daß es auch beides geben müsse, irgendwie, spätestens da ging ihm ein Licht auf: Mensch, sein Leben war in Wahrheit gar nicht sein Leben, sondern eigentlich ein Woody-Allen-Film.
Das stimmte ihn ein bißchen versöhnlich.
Abrupte Schwarzblende, Cole Porter beginnt zu singen, Abspann.
Montag, 13. Oktober 2008
Schuld war nur der Boss von Nora
Hugo + Nora = big love, hihi. So hatte es sich Hugo immer ausgemalt, in seinen feucht-fröhlichen unbeobachteten Stunden. Irgendwie war es dann aber doch anders gekommen, denn statt in ihn hatte sich die Nora lieber mal in ihren Boss verliebt.
Der war zum Glück ein vernünftiger Kerl, der zwar mit sich reden, doch eben nicht mit sich poppen ließ, und so schmetterte Chefchen alle mehr oder minder unverblümt vorgetragenen Annäherungsversuche seiner Untergebenen freundlich, aber bestimmt ab. Zumal dieses Frollein Nora gerade mal im selben Alter wie des Bosses leibeigene Tochter war, die Rike, die mit dem eigenen Pferd und dem Geigenunterricht. Allein bei dem Gedanken, sich an einem solch blutjungen Ding, gerade erst der Pubertät entronnen, zu verlustieren, hatte sich ihm schon mehr als einmal der Magen umgedreht. Achtzehn Jahr, blondes Haar, würg.
Ansonsten leistete das Früchtchen jedoch ganze Arbeit auf breiter Basis, also ließ er die Angelegenheit damit einfach mal auf sich beruhen und verzichtete auf eine fristlose Kündigung. Puh, da hatten aber alle Beteiligten noch mal Glück gehabt, auch wenn sie davon zum Teil absolut gar nichts ahnten.
Denn die Nora war hinterher, als sie bemerkte, daß ihr Boss ihretwegen nun scheinbar wohl doch nicht seine Frau und die mühsam aufgebaute Kleinfamilie mit Eigenheim und allem Zipp und Zapp verlassen würde, schon ein wenig geknickt.
Und der Hugo war sauer, weil die begriffsstutzige Nora sich nicht in ihn verguckt hatte. Das wäre ihm schon durchaus zupaß gekommen. Kam es aber nicht.
Zwar schüttete Nora Hugo regelmäßig ihr Herz aus, jedoch ihre Bluse, die blieb anschließend immer schön verschlossen. Langsam, aber sicher fühlte sich Hugo dadurch auch ein wenig ausgenutzt von der Dame seines gebrochenen Herzens.
Überhaupt war ihm schon immer sein ganzes Leben wie ein einziger großer Beschiß vorgekommen.
Okay, er liebte ein Mädchen, aber dieses war im Gegenzug leider so doof, daß es die einfachsten Dinge miteinander verwechselte: Leidenschaft mit Liebe, Vertrauen mit Freundschaft, Begehren mit Altöl, Sympathie mit Brustkrebs und so weiter oder irgendwie so. Und über all dem thronten zu allem Überfluß auch noch ihre seit Kindertagen geträumten, doch bisher, wen wundert’s, noch nie eingelösten Bilderbuchvorstellungen und Erwartungen direktemang aus dem Märchenwald.
Klar, daß da für so einen Hyperrealisten wie Hugo nicht viel Platz blieb. Außer natürlich für die nur schwer zu besetzende Rolle des Hausfreundes, des guten Kumpels, den man gerne mal für seine Zwecke ausbeutet, geteiltes Leid und so, ihm einen Keks an die Backe labern, aber nie zum Schuß kommen läßt.
Den wollte keiner geben, Hugo eigentlich auch nicht, doch was blieb ihm anderes übrig? Lieber so, als ganz aus dem Stück, welches hier aus Noras Leben aufgeführt wurde, zu verschwinden, schnöde rausgeschrieben zu werden oder womöglich als dritter Kammerdiener ohne Text im zweiten Aufzug zu versauern.
Denn zum Statisten eignete Hugo sich nun mal gar nicht. Eher schon zur Titelrolle, zum Casanova Superstar. Dachte er zumindest.
Und oftmals ist es ja im Leben so, daß Selbsteinschätzung und Fremdwahrnehmung eklatant auseinanderklaffen. So war es wohl auch in diesem Fall.
Der war zum Glück ein vernünftiger Kerl, der zwar mit sich reden, doch eben nicht mit sich poppen ließ, und so schmetterte Chefchen alle mehr oder minder unverblümt vorgetragenen Annäherungsversuche seiner Untergebenen freundlich, aber bestimmt ab. Zumal dieses Frollein Nora gerade mal im selben Alter wie des Bosses leibeigene Tochter war, die Rike, die mit dem eigenen Pferd und dem Geigenunterricht. Allein bei dem Gedanken, sich an einem solch blutjungen Ding, gerade erst der Pubertät entronnen, zu verlustieren, hatte sich ihm schon mehr als einmal der Magen umgedreht. Achtzehn Jahr, blondes Haar, würg.
Ansonsten leistete das Früchtchen jedoch ganze Arbeit auf breiter Basis, also ließ er die Angelegenheit damit einfach mal auf sich beruhen und verzichtete auf eine fristlose Kündigung. Puh, da hatten aber alle Beteiligten noch mal Glück gehabt, auch wenn sie davon zum Teil absolut gar nichts ahnten.
Denn die Nora war hinterher, als sie bemerkte, daß ihr Boss ihretwegen nun scheinbar wohl doch nicht seine Frau und die mühsam aufgebaute Kleinfamilie mit Eigenheim und allem Zipp und Zapp verlassen würde, schon ein wenig geknickt.
Und der Hugo war sauer, weil die begriffsstutzige Nora sich nicht in ihn verguckt hatte. Das wäre ihm schon durchaus zupaß gekommen. Kam es aber nicht.
Zwar schüttete Nora Hugo regelmäßig ihr Herz aus, jedoch ihre Bluse, die blieb anschließend immer schön verschlossen. Langsam, aber sicher fühlte sich Hugo dadurch auch ein wenig ausgenutzt von der Dame seines gebrochenen Herzens.
Überhaupt war ihm schon immer sein ganzes Leben wie ein einziger großer Beschiß vorgekommen.
Okay, er liebte ein Mädchen, aber dieses war im Gegenzug leider so doof, daß es die einfachsten Dinge miteinander verwechselte: Leidenschaft mit Liebe, Vertrauen mit Freundschaft, Begehren mit Altöl, Sympathie mit Brustkrebs und so weiter oder irgendwie so. Und über all dem thronten zu allem Überfluß auch noch ihre seit Kindertagen geträumten, doch bisher, wen wundert’s, noch nie eingelösten Bilderbuchvorstellungen und Erwartungen direktemang aus dem Märchenwald.
Klar, daß da für so einen Hyperrealisten wie Hugo nicht viel Platz blieb. Außer natürlich für die nur schwer zu besetzende Rolle des Hausfreundes, des guten Kumpels, den man gerne mal für seine Zwecke ausbeutet, geteiltes Leid und so, ihm einen Keks an die Backe labern, aber nie zum Schuß kommen läßt.
Den wollte keiner geben, Hugo eigentlich auch nicht, doch was blieb ihm anderes übrig? Lieber so, als ganz aus dem Stück, welches hier aus Noras Leben aufgeführt wurde, zu verschwinden, schnöde rausgeschrieben zu werden oder womöglich als dritter Kammerdiener ohne Text im zweiten Aufzug zu versauern.
Denn zum Statisten eignete Hugo sich nun mal gar nicht. Eher schon zur Titelrolle, zum Casanova Superstar. Dachte er zumindest.
Und oftmals ist es ja im Leben so, daß Selbsteinschätzung und Fremdwahrnehmung eklatant auseinanderklaffen. So war es wohl auch in diesem Fall.
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