Wieder mal ein harter Tag im Namen von Vater Staat.
Ich bin total durch den Westwind, völlig unruhig und gar nicht mal bei mir, dabei könnte meine geschundene Seele sich doch locker auf Zimmergröße ausdehnen, fehlt ja nicht viel, kuckt auch keiner zu, warum also nicht? Doch es will und will nicht gehen, also schaut man nach, woran es liegen könnte, stellt dann aber plötzlich fest, daß einem hierzu jegliche Grundlagen fehlen, weil man nun mal nicht Psychologie studiert hat und somit auch keinen Blassen von des Psychos Analyse.
Lüften kann man auch nicht, da wehen wieder ständig feinste Schuttwolken aus dem Bröckelhaus gegenüber zu mir her. Hallo Dust Bowl, ist denn schon wieder fünf nach Woody? Hey hey, Mister Guthrie, so haben wir nicht gewettet.
Mir mangelt es an Sauerstoff und auch an Perspektiven... und an heißen Bienen, die meinen Honig lieben. Björk summt mir den Almdudler auf der singenden Sense vor, aber das allein hält Knokke nicht am Leben.
Egal, was es ist, ich nehme es, nehme es gar mit Freuden, Hauptsache, ich muß mich nicht konzentrieren, womöglich gar schreiben oder so, über mein Leben oder so, den ganzen Tag und all das, o Gott, o Gott, alles, nur das nicht.
Laß uns bumsen, schlage ich vor, doch selbst meine rechte Hand hat mittlerweile keine Lust mehr auf mich und ist schon längst eingeschlafen.
So geht der Tag dahin, an dem mein Vater Geburtstag hat, aber nicht feiert, weil dann nur wieder Leute ankommen und ins Haus wollen, und das ist gerade sauber, und dann machen die das wieder dreckig, und das ist ihm die Sache einfach nicht wert.
Ich bin derweil in Berlin, aber nicht mehr lange. Morgen früh geht meine Maschine, dann muß ich in den Nahen Osten, um dort meine neue Turnschuhkollektion vorzustellen. Mein Name ist Barack Obama, ich tanze im Pyjama von hier bis Yokohama.
Sonntag, 27. Juli 2008
Sonntag, 20. Juli 2008
Mit Willi am Kamener Kreuz
Früher war alles besser. Da wünschte einem der Müllmann noch ein frohes neues Jahr. Und stellte die Tonne auch wieder da hin, wo er sie hergeholt hatte. Heute ist alles anders, die Dinge sind bei sich, die Menschen aber, drei an der Zahl in einem verbeulten Ascona, am Kamener Kreuz.
Gibs zu, hakte Fred, mit den anderen beiden im Stau stehend, nach, du hast dich in mich verliebt. Los, sag schon, ja oder nein, ich will ne positive Antwort hören.
Seiner weiblichen Mitfahrgelegenheit, auf dem Sitz neben ihm kauernd, wurde diese Nummer langsam echt zu anstrengend. Klar, auch sie wollte Geld sparen, aber noch viel lieber wollte sie von diesem abgebrochenen Pickelface in Ruhe gelassen werden.
Da grunzte es auf einmal überraschend von der Rückbank: Heute bin ich bester Dinge, denn ich habe alle Klausuren bestanden. Ich hatte aber auch gar nichts gelernt, von daher war das abzusehen. Nur eins verstörte mich unterm Radar am Boden – die Dörte will mich nicht, die Doofe, die. Es ist so unfair. Schmeißt sie sich einem solchen Eierkopf wie dem Direx an den fetten Hals. Ich hingegen stehe in der Blüte meiner Bibliothekserscheinung. Mit wem soll ich denn nun sexuellen Kontakt tätigen? Bitternis ist kein Lockstoff. Ich empfehle mich. Und freue mich schon unheimlich auf willige Mecklenburgerinnen, immer straight ahead, auf der Straße ins Glück. Gezeichnet: ein verletzter Willi.
Dann schlief der Typ wieder ein und ließ die Mitfahrgelegenheitstussi und den Fred ebenso erstaunt wie wortlos zurück.
Der irritierte Fahrerfred wandte sich an die Beisitzbiene zu seiner Rechten und fragte, mit einem Gesichtsausdruck der völligen Entblödung bewaffnet: Ähm, wo waren wir stehengeblieben?
Du wolltest mir gerade was über deine Sparsamkeit erzählen, log die Mitfahrtante.
Ach ja, richtig, sagte Fred langsam und runzelte die zusammengewachsenen Augenbrauen, wohl noch nicht so recht überzeugt. Dann aber hob er an: Immer, wenn ich so eine innere Beklemmung in der Brust fühle, die mich drängt, mich doch endlich mal mit Orgelkonzerten, Requien, überhaupt Bach, aber auch sonst so Klassik zu beschäftigen, entgehe ich dem anstehenden Kaufrausch dadurch, daß ich mich in ein tiefes Schluchzen versteife, mich selbst in die Matratze meines Bettes hineinpresse, um ja nicht shoppen gehen zu können, beiße ein Stück aus der Tapete und höre immer und immer wieder, oftmals tagelang, die ersten beiden, einzig wahren Alben der Spice Girls. Geri liebt mich, das muß sie einfach. Und Emma eh. Die Kunst der Fuge ist ein Dreck gegen Viva Forever.
Damit hatte die Mitfahrgelegenheitsmaus nun echt nicht gerechnet. Der Fred war also ein ausgemachter Spice Boy. Sofort stieg er auf ihrer imaginären Sympathieskala um ein bis zwei Punkte. Damit lag er jetzt ungefähr bei minus fünf.
Vielleicht würde die Fahrt zu dritt rauf zur Ostsee ja doch noch lustig werden.
Gibs zu, hakte Fred, mit den anderen beiden im Stau stehend, nach, du hast dich in mich verliebt. Los, sag schon, ja oder nein, ich will ne positive Antwort hören.
Seiner weiblichen Mitfahrgelegenheit, auf dem Sitz neben ihm kauernd, wurde diese Nummer langsam echt zu anstrengend. Klar, auch sie wollte Geld sparen, aber noch viel lieber wollte sie von diesem abgebrochenen Pickelface in Ruhe gelassen werden.
Da grunzte es auf einmal überraschend von der Rückbank: Heute bin ich bester Dinge, denn ich habe alle Klausuren bestanden. Ich hatte aber auch gar nichts gelernt, von daher war das abzusehen. Nur eins verstörte mich unterm Radar am Boden – die Dörte will mich nicht, die Doofe, die. Es ist so unfair. Schmeißt sie sich einem solchen Eierkopf wie dem Direx an den fetten Hals. Ich hingegen stehe in der Blüte meiner Bibliothekserscheinung. Mit wem soll ich denn nun sexuellen Kontakt tätigen? Bitternis ist kein Lockstoff. Ich empfehle mich. Und freue mich schon unheimlich auf willige Mecklenburgerinnen, immer straight ahead, auf der Straße ins Glück. Gezeichnet: ein verletzter Willi.
Dann schlief der Typ wieder ein und ließ die Mitfahrgelegenheitstussi und den Fred ebenso erstaunt wie wortlos zurück.
Der irritierte Fahrerfred wandte sich an die Beisitzbiene zu seiner Rechten und fragte, mit einem Gesichtsausdruck der völligen Entblödung bewaffnet: Ähm, wo waren wir stehengeblieben?
Du wolltest mir gerade was über deine Sparsamkeit erzählen, log die Mitfahrtante.
Ach ja, richtig, sagte Fred langsam und runzelte die zusammengewachsenen Augenbrauen, wohl noch nicht so recht überzeugt. Dann aber hob er an: Immer, wenn ich so eine innere Beklemmung in der Brust fühle, die mich drängt, mich doch endlich mal mit Orgelkonzerten, Requien, überhaupt Bach, aber auch sonst so Klassik zu beschäftigen, entgehe ich dem anstehenden Kaufrausch dadurch, daß ich mich in ein tiefes Schluchzen versteife, mich selbst in die Matratze meines Bettes hineinpresse, um ja nicht shoppen gehen zu können, beiße ein Stück aus der Tapete und höre immer und immer wieder, oftmals tagelang, die ersten beiden, einzig wahren Alben der Spice Girls. Geri liebt mich, das muß sie einfach. Und Emma eh. Die Kunst der Fuge ist ein Dreck gegen Viva Forever.
Damit hatte die Mitfahrgelegenheitsmaus nun echt nicht gerechnet. Der Fred war also ein ausgemachter Spice Boy. Sofort stieg er auf ihrer imaginären Sympathieskala um ein bis zwei Punkte. Damit lag er jetzt ungefähr bei minus fünf.
Vielleicht würde die Fahrt zu dritt rauf zur Ostsee ja doch noch lustig werden.
Mittwoch, 16. Juli 2008
Ein Staplerfahrer aus Malaysia
Ich kannte mal einen Staplerfahrer aus Malaysia. Der klagte immer über Rückenschmerzen.
Das Herz saß bei ihm auf dem rechten Fleck, das bedeutet: seitenverkehrt.
Als Kind war er beim Spielen mal in einem Maschendrahtzaun hängengeblieben. Seit dem diagnostizierten ihn die vereinigten Hautärzte aller Länder mit schöner Regelmäßigkeit fehl und gingen davon aus, er hätte einmal Nesselfieber gehabt.
Was Liebe war und welche Macht von großen Gefühlen ausgehen kann, das wußte er nur aus der Oper.
Nach der Arbeit ging er heim in seine unmöblierte Einzimmerhütte und aß schweigsam Dosenfisch. Durch sein Verhandlungsgeschick war es ihm gelungen, davon einige Tonnen zu einem äußerst günstigen Wechselkurs zu erwerben. Noch Jahre später zehrte er davon und rückte den Speiseresten hinterher stets mit dem Zahnstocher auf den fischigen Leib.
Sie sehen, sein Leben war nicht so der Brüller.
Mit zwanzig hatte er einmal beim Skat betrogen. Er war damit durchgekommen.
Nachher machte er sich ein Fußbad und schnitt sich die Zehennägel.
Abschließend möchte ich an dieser Stelle nur noch einmal darauf hinweisen, daß kein Mensch ganz frei von Sünde ist, aber auch keiner so voll davon, daß er nicht doch noch etwas wert wäre.
Von daher bitte nur ernstgemeinte Zuschriften mit Bild.
Und jetzt kommt Ihr.
Das Herz saß bei ihm auf dem rechten Fleck, das bedeutet: seitenverkehrt.
Als Kind war er beim Spielen mal in einem Maschendrahtzaun hängengeblieben. Seit dem diagnostizierten ihn die vereinigten Hautärzte aller Länder mit schöner Regelmäßigkeit fehl und gingen davon aus, er hätte einmal Nesselfieber gehabt.
Was Liebe war und welche Macht von großen Gefühlen ausgehen kann, das wußte er nur aus der Oper.
Nach der Arbeit ging er heim in seine unmöblierte Einzimmerhütte und aß schweigsam Dosenfisch. Durch sein Verhandlungsgeschick war es ihm gelungen, davon einige Tonnen zu einem äußerst günstigen Wechselkurs zu erwerben. Noch Jahre später zehrte er davon und rückte den Speiseresten hinterher stets mit dem Zahnstocher auf den fischigen Leib.
Sie sehen, sein Leben war nicht so der Brüller.
Mit zwanzig hatte er einmal beim Skat betrogen. Er war damit durchgekommen.
Nachher machte er sich ein Fußbad und schnitt sich die Zehennägel.
Abschließend möchte ich an dieser Stelle nur noch einmal darauf hinweisen, daß kein Mensch ganz frei von Sünde ist, aber auch keiner so voll davon, daß er nicht doch noch etwas wert wäre.
Von daher bitte nur ernstgemeinte Zuschriften mit Bild.
Und jetzt kommt Ihr.
Montag, 7. Juli 2008
Erstes Halbjahr 2008
Afghanistan. Age of Conan. Airbus A380. Angelina Jolie.
Barack Obama. Beyonce. Blu-ray Disc. Bobby Fischer. Burma.
China. Das chinesische Neujahr. Christina Aguilera.
Dalai Lama. Daniel Day-Lewis. Dmitri Medvedev.
Edmund Hillary. Eisbär. Eliot Spitzer. Ellen Page. Die Erde. Euro 2008. Eurovision Song Contest. Eva Longoria.
Fantasy. Fidel Castro.
Gaza. George W. Bush. Giuseppe Di Stefano. Die globale Erwärmung. GPS-Navigator.
Hillary Clinton.
Indiana Jones. Internationale Filmfestspiele von Cannes. iPhone 3G. Irland.
Jennifer Lopez.
Kate Hudson. Keira Knightley. Kenia. Kofi Annan. Kolumbien. Kosovo. Kuba.
Legosteine. Leona Lewis. Libanon. Lindsay Lohan.
MacBook Air. Madonna. Marilyn Monroe. Marion Cotillard.
Nelson Mandela.
Die Olympische Fackel. Ostern. Osttimor.
Papst Benedikt XVI. Paul McCartney. Planet Merkur. Pokémon.
Raumsonde Phoenix. Robert Mugabe. Ronaldo.
Sarah Jessica Parker. Schmetterling. Sharon Stone. Silvio Berlusconi. Simbabwe. Sonnenuntergang. Sony Ericsson W880i. Spanien. Super Bowl.
The Incredible Hulk. Tibet. Treibhauseffekt.
Valentinstag.
Wimbledon. Winnie Puh.
Zlatan Ibrahimović.
Barack Obama. Beyonce. Blu-ray Disc. Bobby Fischer. Burma.
China. Das chinesische Neujahr. Christina Aguilera.
Dalai Lama. Daniel Day-Lewis. Dmitri Medvedev.
Edmund Hillary. Eisbär. Eliot Spitzer. Ellen Page. Die Erde. Euro 2008. Eurovision Song Contest. Eva Longoria.
Fantasy. Fidel Castro.
Gaza. George W. Bush. Giuseppe Di Stefano. Die globale Erwärmung. GPS-Navigator.
Hillary Clinton.
Indiana Jones. Internationale Filmfestspiele von Cannes. iPhone 3G. Irland.
Jennifer Lopez.
Kate Hudson. Keira Knightley. Kenia. Kofi Annan. Kolumbien. Kosovo. Kuba.
Legosteine. Leona Lewis. Libanon. Lindsay Lohan.
MacBook Air. Madonna. Marilyn Monroe. Marion Cotillard.
Nelson Mandela.
Die Olympische Fackel. Ostern. Osttimor.
Papst Benedikt XVI. Paul McCartney. Planet Merkur. Pokémon.
Raumsonde Phoenix. Robert Mugabe. Ronaldo.
Sarah Jessica Parker. Schmetterling. Sharon Stone. Silvio Berlusconi. Simbabwe. Sonnenuntergang. Sony Ericsson W880i. Spanien. Super Bowl.
The Incredible Hulk. Tibet. Treibhauseffekt.
Valentinstag.
Wimbledon. Winnie Puh.
Zlatan Ibrahimović.
Montag, 30. Juni 2008
Tagesfieber
Auf einer alten, verklapperten Klappcouch saß Hans Martin Eichelheimer vor einer noch klapperigeren Schreibmaschine. Von Anfang an bemerkte er dabei, daß es heute mit ihm und den Buchstaben keine innige Freundschaft mehr werden würde. Dabei war sein Stil um vieles besser als sein Durchhaltevermögen. Glücklicherweise befanden wir uns hier immer noch im Land der jämmerlichen Ästheten und nicht im Kessel von Stalingrad.
Was ihm bisher zwischen Tastatur und Farbband geraten war: ein schlechter Scherz. Der ging so: Ich verbrachte die Nacht mit einem Milchmädchen und ließ sie am Morgen mit ihren Rechnungen allein. Am anderen Tag traf ich auf offener Straße einen weißgewandeten Araber. Er kam mit einem breiten Grinsen auf mich zu und wollte mir eine offensichtlich gefälschte Swatch-Armbanduhr verkaufen. Da wurde es mir zu bunt, und es platzte mir der Kragen. Geh weiter, sagte ich zu ihm. Scheich dich! Betrübt schlich der Muselmane seiner Wege.
Eichelheimer kannte Frauen, auch persönlich, die total abfuhren auf diesen feinen sprachgewitzten Humor. Er fand ihn einfach nur zum Kotzen. Doch was anderes übrig blieb ihm trotzdem nicht.
Auf dem Donnerbalken über den Geranien saß zur selben Zeit eine sehr von sich selbst eingenommene eierlegende Wollmilchsau, die zärtlich und gedankenverloren an ihren Hämorrhoiden herumspielte.
Ich hoffe, vor der nächsten Lieferung wäschst du dir noch mal die Finger, maunzte Eichelheimer sie an.
Seien Sie unbesorgt, Mister und taken Sie es easy, my old Kentucky Dickerchen, gab sie kühl und affektiert zurück, unterdessen sie sich den Cowboyhut lässig noch ein wenig tiefer ins Gesicht rückte.
Ihren Anglizismen war einfach nicht beizukommen.
Was ihm bisher zwischen Tastatur und Farbband geraten war: ein schlechter Scherz. Der ging so: Ich verbrachte die Nacht mit einem Milchmädchen und ließ sie am Morgen mit ihren Rechnungen allein. Am anderen Tag traf ich auf offener Straße einen weißgewandeten Araber. Er kam mit einem breiten Grinsen auf mich zu und wollte mir eine offensichtlich gefälschte Swatch-Armbanduhr verkaufen. Da wurde es mir zu bunt, und es platzte mir der Kragen. Geh weiter, sagte ich zu ihm. Scheich dich! Betrübt schlich der Muselmane seiner Wege.
Eichelheimer kannte Frauen, auch persönlich, die total abfuhren auf diesen feinen sprachgewitzten Humor. Er fand ihn einfach nur zum Kotzen. Doch was anderes übrig blieb ihm trotzdem nicht.
Auf dem Donnerbalken über den Geranien saß zur selben Zeit eine sehr von sich selbst eingenommene eierlegende Wollmilchsau, die zärtlich und gedankenverloren an ihren Hämorrhoiden herumspielte.
Ich hoffe, vor der nächsten Lieferung wäschst du dir noch mal die Finger, maunzte Eichelheimer sie an.
Seien Sie unbesorgt, Mister und taken Sie es easy, my old Kentucky Dickerchen, gab sie kühl und affektiert zurück, unterdessen sie sich den Cowboyhut lässig noch ein wenig tiefer ins Gesicht rückte.
Ihren Anglizismen war einfach nicht beizukommen.
Freitag, 20. Juni 2008
Irre Irre Irre
Mein Freund Rainald Goetz war heute mal wieder unglaublich gut drauf. Angriffslustig wie in den alten Tagen, wo er sich in Klagenfurt oder wo auch immer das gewesen ist, mit einer Rasierklinge die Stirn aufgeschnitten hatte, nur um mal ein wenig Pepp in die ganzen satten abgehangenen Schweinehälften vor der Bühne zu bringen.
Er redete sich, während wir ziellos durch die nächtlichen Straßen des Wedding marodierten, in Rage, sein eigentliches Element. Diese ganze gegenseitige Eierschaukelei ist doch bloß noch zum Kotzen, setzte er an. Dieser wahnsinnige Sozialterrorismus mit Lob, das ist alles destruktiv, das gehört alles weggehauen. Denn Lob ist schlecht. Der installiert ein Gefälle, eine Nähe, eine Anmaßung. Etwas sei zu loben, weil es geglückt ist: ein Aussehen, eine Geste, ein Kontakt, erst recht natürlich jedes extra hergestellte Ding, ein Essen, ein Buch, eine Musik. Heilige Einfalt!
Mir geht es manchmal in Internetforen so, gab ich zu denken. Und das war nicht nur so dahergesagt, sondern auch wirklich meine Meinung. Ich fand es schon immer schwer daneben, wenn sich unbekannte Menschen auf einmal miteinander solidarisierten, nur weil sie die gleichen bescheuerten politischen Überzeugungen vertraten oder dieselben langweiligen Rolling-Stones-LPs für meisterhaft erachteten.
Rainald nickte und nahm im Gehen noch einen Schluck aus der Küstennebel-Flasche. Dann weiter: Gelobt zu werden ist furchtbar, die ganze Kaputtheit des Lobens wütet einen dann an. Wenn man sich gedankenlos ranschmeißt an das Gelobte anstatt die Freude des Geglückten einfach aufzunehmen und das Maul zu halten. Wer fragt denn noch, WARUM genau die geglückte Sache einem so geglückt vorkommt? Lob erniedrigt beide, den Gelobten wie auch den Lobenden. Analyse und Argument aber, die erhöhen den geistigen Zustand, in dem alles sich befindet. Zustimmung schwächt, Kritik stachelt an. Bringt Energie in die Welt! Voll in die Fresse! Dieses ganze stricherhaft Abgefuckte des Lobens, die Lobnutten, Lobtrottel, Trottelkartelle, die alles niederstampfen. Eine ganze Welt voller Kaputtheit und Verblödung, voller Scheußlichkeiten und Zuschleimungen. Heidenreich, Doebeling, Stalingrad.
Kritiker sind Parasiten, pflichtete ich bei und ließ mir auch mal den Küstennebel schmecken.
Rainald daraufhin: Es gibt keine schönere Art von Zustimmung zur eigenen Bemühung und den Resultaten, als die Ablehnung durch die, die man selber für totale Deppen hält. Die auch gerade deshalb so blöd sind, weil sie so viel Angst haben, selber abgelehnt zu werden. Die mit vorauseilender Zustimmung anderen gegenüber auftreten, nur um dadurch selber Zustimmung zu sich selbst zu erdealen, zu erzwingen. Alles sehr falsch.
Wir zwei waren uns einig darin, daß es unglaublich die Laune hebt, wenn man so bei sich merkt, daß man mit all dem Zirkus nichts zu tun hat, weil man selber anders ist und anderes beabsichtigt. Hymnen kotzen, schöne Texte machen, Leben lernen, Liebeszauber, halleluja.
Wichtig ist, resümierte da Goetz und funkelte mich mit einem geilen Blick an, daß man sein Ding gnadenlos durchzieht. So wie Wolle Petry.
Wenn ich nur wüßte, was mein Ding ist, meinte ich da nachdenklich, um auch mal wieder was zu sagen. Denn der mickrige Wurm in meiner Unterhose war ja wohl kaum der Rede wert. There must be more than this, irgendwo da draußen.
Nachher in dieser Nacht überfielen wir noch einen jugendlichen Araber und zogen ihm zwanzig Euro, sein Klappmesser und den MP3-Player ab. Wir fühlten uns wie die Könige der Dunkelheit.
Er redete sich, während wir ziellos durch die nächtlichen Straßen des Wedding marodierten, in Rage, sein eigentliches Element. Diese ganze gegenseitige Eierschaukelei ist doch bloß noch zum Kotzen, setzte er an. Dieser wahnsinnige Sozialterrorismus mit Lob, das ist alles destruktiv, das gehört alles weggehauen. Denn Lob ist schlecht. Der installiert ein Gefälle, eine Nähe, eine Anmaßung. Etwas sei zu loben, weil es geglückt ist: ein Aussehen, eine Geste, ein Kontakt, erst recht natürlich jedes extra hergestellte Ding, ein Essen, ein Buch, eine Musik. Heilige Einfalt!
Mir geht es manchmal in Internetforen so, gab ich zu denken. Und das war nicht nur so dahergesagt, sondern auch wirklich meine Meinung. Ich fand es schon immer schwer daneben, wenn sich unbekannte Menschen auf einmal miteinander solidarisierten, nur weil sie die gleichen bescheuerten politischen Überzeugungen vertraten oder dieselben langweiligen Rolling-Stones-LPs für meisterhaft erachteten.
Rainald nickte und nahm im Gehen noch einen Schluck aus der Küstennebel-Flasche. Dann weiter: Gelobt zu werden ist furchtbar, die ganze Kaputtheit des Lobens wütet einen dann an. Wenn man sich gedankenlos ranschmeißt an das Gelobte anstatt die Freude des Geglückten einfach aufzunehmen und das Maul zu halten. Wer fragt denn noch, WARUM genau die geglückte Sache einem so geglückt vorkommt? Lob erniedrigt beide, den Gelobten wie auch den Lobenden. Analyse und Argument aber, die erhöhen den geistigen Zustand, in dem alles sich befindet. Zustimmung schwächt, Kritik stachelt an. Bringt Energie in die Welt! Voll in die Fresse! Dieses ganze stricherhaft Abgefuckte des Lobens, die Lobnutten, Lobtrottel, Trottelkartelle, die alles niederstampfen. Eine ganze Welt voller Kaputtheit und Verblödung, voller Scheußlichkeiten und Zuschleimungen. Heidenreich, Doebeling, Stalingrad.
Kritiker sind Parasiten, pflichtete ich bei und ließ mir auch mal den Küstennebel schmecken.
Rainald daraufhin: Es gibt keine schönere Art von Zustimmung zur eigenen Bemühung und den Resultaten, als die Ablehnung durch die, die man selber für totale Deppen hält. Die auch gerade deshalb so blöd sind, weil sie so viel Angst haben, selber abgelehnt zu werden. Die mit vorauseilender Zustimmung anderen gegenüber auftreten, nur um dadurch selber Zustimmung zu sich selbst zu erdealen, zu erzwingen. Alles sehr falsch.
Wir zwei waren uns einig darin, daß es unglaublich die Laune hebt, wenn man so bei sich merkt, daß man mit all dem Zirkus nichts zu tun hat, weil man selber anders ist und anderes beabsichtigt. Hymnen kotzen, schöne Texte machen, Leben lernen, Liebeszauber, halleluja.
Wichtig ist, resümierte da Goetz und funkelte mich mit einem geilen Blick an, daß man sein Ding gnadenlos durchzieht. So wie Wolle Petry.
Wenn ich nur wüßte, was mein Ding ist, meinte ich da nachdenklich, um auch mal wieder was zu sagen. Denn der mickrige Wurm in meiner Unterhose war ja wohl kaum der Rede wert. There must be more than this, irgendwo da draußen.
Nachher in dieser Nacht überfielen wir noch einen jugendlichen Araber und zogen ihm zwanzig Euro, sein Klappmesser und den MP3-Player ab. Wir fühlten uns wie die Könige der Dunkelheit.
Montag, 16. Juni 2008
Janz weit draußen mit Johann Wolfgang Dickensäck
Man ist, was man ißt. Dickensäck war ein Glückskeks.
In seinen Augen war das Leben die große Praxis des Unsinns, die angewandte Blödheit. Ein Irrsinn, eine fixe Idee und auch eine Dummheit, die zum Tode führt. Ein bißchen Spaß muß schon sein.
Die Entfernung war für ihn die erste politische Hygiene. Wer weit weg von Dickensäck ist, dem kann er nur schwerlich das geben, was er oder sie verdient, und sei es auch nur furchtbar bös den Arsch voll. Wer ihm also fern bleibt, ist somit seines Lebens sicher. Die Nähe ist die Zumutung, die Ferne jedoch ein Ruhezustand.
Auch kannte Johann Wolfgang seit Kindertagen den großen, bedeutsamen Unterschied zwischen Ost und West. Und der geht so: Churchill sammelte Witze, die Menschen über ihn machen. Stalin sammelte Menschen, die Witze über ihn machen.
Was Dickensäck der Jüngere, der sich für einen sehr russisch unorthodoxen Typen hielt, noch verinnerlicht hatte und nicht bloß in den Zeitungen aufgeschnappt: Die Deutschen bekommen nur deshalb so wenig Kinder, weil ihre Frauen so häßlich sind und ihre Männer bloß Luft im Sack haben. Das ist die wahrste Wahrheit, Frau von der Leyen.
Als Dickensäck dann, in Anbetracht der eigenen mißlichen Lage, abends gemütlich an sich herumspielte, dachte er so bei sich: Marta Jandová, ich will ein Kind von dir. Oder wenigstens ein paar aussagekräftige Nacktfotos. Auch in ihm steckte also irgendwo noch ein waschechter Romantiker.
Am nächsten Morgen kam David Lynch vorbei und kackte in Dickensäcks Vorgarten. Als dieser es später seinem Vermieter erzählen wollte, glaubte der ihm kein Wort.
In seinen Augen war das Leben die große Praxis des Unsinns, die angewandte Blödheit. Ein Irrsinn, eine fixe Idee und auch eine Dummheit, die zum Tode führt. Ein bißchen Spaß muß schon sein.
Die Entfernung war für ihn die erste politische Hygiene. Wer weit weg von Dickensäck ist, dem kann er nur schwerlich das geben, was er oder sie verdient, und sei es auch nur furchtbar bös den Arsch voll. Wer ihm also fern bleibt, ist somit seines Lebens sicher. Die Nähe ist die Zumutung, die Ferne jedoch ein Ruhezustand.
Auch kannte Johann Wolfgang seit Kindertagen den großen, bedeutsamen Unterschied zwischen Ost und West. Und der geht so: Churchill sammelte Witze, die Menschen über ihn machen. Stalin sammelte Menschen, die Witze über ihn machen.
Was Dickensäck der Jüngere, der sich für einen sehr russisch unorthodoxen Typen hielt, noch verinnerlicht hatte und nicht bloß in den Zeitungen aufgeschnappt: Die Deutschen bekommen nur deshalb so wenig Kinder, weil ihre Frauen so häßlich sind und ihre Männer bloß Luft im Sack haben. Das ist die wahrste Wahrheit, Frau von der Leyen.
Als Dickensäck dann, in Anbetracht der eigenen mißlichen Lage, abends gemütlich an sich herumspielte, dachte er so bei sich: Marta Jandová, ich will ein Kind von dir. Oder wenigstens ein paar aussagekräftige Nacktfotos. Auch in ihm steckte also irgendwo noch ein waschechter Romantiker.
Am nächsten Morgen kam David Lynch vorbei und kackte in Dickensäcks Vorgarten. Als dieser es später seinem Vermieter erzählen wollte, glaubte der ihm kein Wort.
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